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Wiesbaden 

Stadtbahn für Wiesbaden - Vernünftige Ergänzung oder Tod des Stadtbildes?

18.07.2011 - WIESBADEN


Contra

Von Wolfgang Schwarz, FDP-Politiker

Nach jahrzehntelanger Diskussion um eine Reaktivierung der Aartalbahn und einer Wiesbadener Stadtbahn ist nun nach einer wohltuenden Ruhepause wieder die Frage aufgetaucht, ob ein neues so genanntes Wiesbaden-Konzept den öffentlichen und individuellen Verkehr in Wiesbaden und seiner Umgebung verbessern könnte. Die Wiesbadener FDP hat insbesondere in den Jahren 2000 und 2001 mit sachkundigen Argumenten und viel Unterstützung durch verantwortliche Persönlichkeiten des öffentlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens erreichen können, dass die Stadtbahn-Pläne in der Versenkung verschwanden. Die Bürgerinnen und Bürger dankten es der FDP bei der Kommunalwahl 2001 mit einem sehr guten Ergebnis.

Nun haben die Argumente gegen einen schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr von damals noch heute für Wiesbaden die gleiche Bedeutung. Die Investitionskosten und insbesondere die Betriebskosten stehen in keinem erträglichen Verhältnis zu den Nutzen des Projektes. Bei den verzweigten Gemeindegebieten des Rheingau-Taunus-Kreises ist eine Busanbindung oder der individuelle Verkehr für viele Pendler unverzichtbar. Daher werden sich auch nur einige Hundert für die Benutzung einer Stadtbahn aussprechen wie verschiedene Untersuchungen zeigten. Eine einfache Rechnung zeigt, dass es die öffentlichen Hand wesentlich weniger kosten würde, jedem PKW-Pendler aus dem Taunus, der auf die Schiene umsteigen will, eine Eigentumswohnung zu vermachen.

Unabhängig von den erheblichen Kosten würde eine Stadtbahn in Wiesbaden das historische Stadtbild stark beeinträchtigen. Die Schienen müssen auf einen eigenen Gleiskörper verlegt werden, der nicht von anderen Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern benutzt werden kann. Baumbestandene Straßen und Vorgärten würden beeinträchtigt und Oberleitungen, Masten, Schotterbett und eventuell erhöhter Bahndamm das Stadtbild verschandeln. Dazu käme eine mehrjährige Bauzeit mit vielen Behinderungen.

Durch den Bau einer Stadtbahn würde das großflächige Busangebot beeinträchtigt und der ÖPNV-Benutzer zum ständigen Umsteigen gezwungen, was auch noch die Reisezeit verlängert. Das Wiesbadener Busnetz ist attraktiv und im Vergleich mit anderen Städten vorbildlich. Trotzdem kann es punktuell noch verbessert werden z.B. durch Bustrassen und kürzere Taktzeiten.

Der schienengebundene Verkehr in die Umgebung ist zwingend notwendig und verbesserungswürdig. Die FDP hat sich immer für einen schnelleren und öfteren S-Bahn-Verkehr nach Mainz, Frankfurt, Flughafen und den Rheingau ausgesprochen. Auf diesen Strecken ist der Bedarf sehr hoch und eine Vernetzung sinnvoll. Durch eine Expressbahn über die so genannte Wallauer Spange ließe sich die Fahrzeit zum Frankfurter Flughafen und Fernbahnhof wesentlich reduzieren. Es gibt also noch viele sinnvollere Verkehrsaufgaben für die Zukunft zu lösen, als die kostenträchtige Wi-Bahn zu bauen.

Computersimulation, die in der alten Stadtbahn-Debatte gezeigt wurde. Grafik: Archiv

Computersimulation, die in der alten Stadtbahn-Debatte gezeigt wurde. Grafik: ArchivVergrößern

Zur Person
Wolfgang Schwarz war stellvertretender Leiter der Hessischen Straßen- und Verkehrsverwaltung. Von 1960 bis 2011 saß er für die FDP im Wiesbadener Stadtparlament, 15 Jahre als Fraktionsvorsitzender.

Wolfgang Zeller ist seit vielen Jahren kommunalpolitisch engagiert. Er war von 1974 bis 1984 Stadtverordneter, später im Amt für Öffentlichkeitsarbeit tätig. Seit 2002 ist er im Ruhestand.
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