Stadtbahn für Wiesbaden - Vernünftige Ergänzung oder Tod des Stadtbildes?
18.07.2011 - WIESBADEN
Pro und Contra: Die Diskussion um eine Stadtbahn für Wiesbaden ist neu entbrannt. "Ich könnte meinen Oberbürgermeister Müller auch lieben, wenn er denn mal in die Pötte käme und sich für die Einführung einer Stadtbahn einsetzen würde", meint Bahnbeführworter Wolfgang Zeller. Es käme die Stadt billiger, "jedem PKW-Pendler aus dem Taunus eine Eigentumswohnung zu vermachen", kontert FDP-Politiker Wolfgang Schwarz.
Pro
Von Wolfgang Zeller, früherer Stadtverordneter
Die Bürger der Stadt Bordeaux lieben ihren Bürgermeister Alain Juppé für zwei Dinge: Dafür, dass er ihre Altstadt hat sandstrahlen lassen, und ganz besonders für die Einführung der Stadtbahn. Ich könnte meinen Oberbürgermeister Müller eventuell auch lieben, wenn er denn mal in die Pötte käme und sich für die Einführung einer Stadtbahn einsetzen und damit dem Beispiel vieler Städte wie Nancy oder Straßburg folgen würde. Alle drei Städte weisen ein hohes Maß an historischer Bausubstanz auf und kein Bürger käme dort auf die Idee zu behaupten, dass die Bahn die Stadt verschandele. Das bleibt den hiesigen Bedenkenträgern vorbehalten, welche die Diskussion mit den gleichen Argumenten wie ihre Vorväter anno 1896 führen.
Es geht mir hier auch gar nicht so sehr um technische Details, die sind schon lange ausdiskutiert und das System beweist tagtäglich seine Tauglichkeit in Städten wie Karlsruhe, das sein Umland angebunden hat und seine AVG mit großem Erfolg bis ins Elsass und nach Heilbronn fahren lässt. Andere deutsche Großstädte bauen ihre Systeme aus und setzen eben nicht wie Wiesbaden nur auf den Bus.
Mich stört an der aufgekommenen Diskussion neben der verschämten Bezeichnung WIBahn die Reduzierung auf die Anbindung von Mainz und Frankfurt. Mainz ist heute schon über die Regional- und S-Bahn ordentlich angebunden, neue bessere Fahrzeuge und Fahrzeiten könnten die Situation noch optimieren. Hier würde eine Stadtbahnanbindung wegen der kleineren Spurweite der Mainzer Straßenbahn wenig Sinn machen. Die Verbindungen nach Frankfurt sind in der Tat verbesserungswürdig und müssen über kurz oder lang ohnehin von der DB sowohl vom Fuhrpark als auch dem Fahrplan auf einen ordentlichen Standard gebracht werden.
Das zentrale Problem ist und bleibt die Schienenanbindung des Umlandes mit seinen großen Pendlerströmen. Die Stadtbahn ist eben nicht von der Aartalbahn zu trennen, wie die kommende Stadtplanungsdezernentin Frau Möricke erklärt. Ohne die schienengebundene Führung der Pendlerströme über Klarenthal und Fachhochschule direkt in die Innenstadt und auf einem zweiten Strang auf der alten Trasse über Bahnhof Waldstraße nach Wiesbaden Ost mit Anschluss nach Mainz und Frankfurt macht die gesamte Diskussion kaum Sinn.
Auch die sogenannte Ländchesbahn über Erbenheim nach Niedernhausen und Limburg gehört in eine Neustrukturierung des ÖPNV in Wiesbaden. Wir brauchen keine Stadtbahn in der Wilhelmstraße oder am Dernschen Gelände, sondern eine endlich funktionierende verkehrliche Einbeziehung des Umlandes in die Stadt und Weiterführung nach Mainz und Frankfurt. Das hatte 2001 schon der RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann so gesehen und die Stadt für ihre Schlafmützigkeit harsch kritisiert. Heute wird nicht einmal mehr mit dem Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises geredet! Jetzt aber ist Zeit, endlich zu handeln!

