Zwei Wiesbadener Studenten retten 51-Jährigem das Leben
07.07.2011 - WIESBADEN
Von Marcella Melien
Eigentlich wollten Neil Kraski (23) und Franz Riehl (24) die Geburtstagsparty einer Kommilitonin in Frankfurt gerade verlassen. Stattdessen retteten die beiden Studenten der Wiesbaden Business School einem Hausbewohner das Leben. Gegen halb zwölf klingelte es an der Wohnungstür. Davor stand ein Nachbar, der allein in einer Wohnung zwei Stockwerke tiefer lebte. Bevor er etwas sagen konnte, fiel der Mann rücklings zu Boden und blieb bewusstlos im Treppenhaus liegen. „Sein Gesicht und die Hände liefen blau an“, schildert Neil Kraski die Situation. „Es hat natürlich erst mal ziemlich Panik geherrscht.“
Franz Riehl, seit seiner frühen Kindheit Mitglied des DLRG, wusste, was zu tun war. Seine Herzrhythmusmassage und die Mund-zu-Mund-Beatmung, die Kraski auf seine Anweisung hin durchführte, retteten dem Patienten das Leben. „Ich habe einfach abgeschaltet und gemacht, was ich gelernt hatte“, sagt Riehl. „Im Nachhinein kann ich sagen, dass die Puppen, an denen man übt, ziemlich lebensecht sind.“
Lebensrettende Herzrhythmusmassage
Kraski dagegen war „überhaupt nicht sicher, ob das, was wir machen, richtig ist“. Erste Hilfe kannte er nur aus dem Führerscheinkurs und aus Arztserien im Fernsehen. Eine gewisse Hemmschwelle sei schon da gewesen. Nach etwa zehn Minuten trafen der Rettungsdienst und ein Notarzt ein und „verwandelten das Treppenhaus in kürzester Zeit in einen OP-Raum“, wie Riehl erzählt.
Schon beim ersten Schlag des Defibrillators setzte der Puls wieder ein. „Der Notarzt hat uns gesagt, dass dies der Herzrhythmusmassage zu verdanken war“, so Riehl. „Ohne die hätte der Defibrillator auch nicht mehr geholfen.“ Der Vorfall hat ihn mitgenommen. „Ich konnte diese Nacht nicht schlafen“, erinnert er sich.
Einladung an die Nordsee
Verkalkte Herzkranzgefäße, die auf Röntgenbildern nicht erkennbar sind und so jahrelang unentdeckt blieben, hatten den Zusammenbruch ausgelöst. Etwa zwei Monate verbrachte der 51-jährige noch im Krankenhaus. Als er vor wenigen Wochen entlassen wurde, nahm er zu seinen Rettern Kontakt auf und traf sich in Wiesbaden mit ihnen.
„Es war ein krasser Moment, ihn quicklebendig und fit vor uns zu sehen“, sagt Riehl. „Er konnte sich nicht mehr an viel erinnern und wusste nur noch, dass er sich schon den ganzen Tag schlapp gefühlt hatte und nachts aufgestanden ist“, berichtet Kraski. „Zum Glück hat er es noch geschafft, die Treppe hochzusteigen.“
Den Kontakt haben sie gehalten. Inzwischen ist er so gut erholt, dass er in den Urlaub an die Nordsee fahren kann. Seine beiden Retter hat er eingeladen, ihn dort für ein Wochenende zu besuchen. „Ich fühle mich jetzt nicht als Held“, betont Kraski. „Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, was wir getan haben“, fügt Riehl hinzu.


