Katholische Kirche in Wiesbaden: Acht Innenstadtgemeinden fusionieren
23.06.2011 - WIESBADEN
Von Kerstin Prosch
Maria Sandner, Mitglied der katholischen Pfarrei Liebfrauen, hat die Entwicklung kommen sehen. Immer weniger Menschen fühlen sich der katholischen Kirche zugehörig. Zugleich nehme die Zahl der Pfarrer ab. Nach Ansicht von Sandner hat daher an der Fusion der acht Innenstadtgemeinden kein Weg vorbeigeführt.
Die Fusionsvereinbarung haben am Donnerstag Stadtdekan Wolfgang Rösch sowie die Vertreter der Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte der acht Gemeinden zu Beginn des Fronleichnamsgottesdienstes unterschrieben. Während der Stift über das Papier huscht, ist Sandner nicht bang. „Wer in die Kirche will, der wird den Weg weiterhin finden“, ist sie überzeugt. Auch werde sich für sie selbst in der Dreifaltigkeitsgemeinde nichts negativ verändern.
„Es war ein hartes, aber faires Ringen“
Rudolf Josef Grüssinger, Mitglied der Heilig Geist Gemeinde, blickt ebenfalls zuversichtlich in die Zukunft. Der Katholik hat erst vor rund viereinhalb Jahren die Fusion der beiden Kichengemeinden Maria Hilf und St. Elisabeth zur Heilig Geist Gemeinde miterlebt. Damals sei alles gut gelaufen. Wegen dieser guten Erfahrungen stehe er nun auch der erneuten Fusion aufgeschlossen gegenüber.
Grüssinger hat in der Steuerungsgruppe mitgewirkt, in die alle acht Gemeinden Vertreter entsandten, um die Fusion vorzubereiten. „Es war ein hartes, aber faires Ringen“, erzählt er. Blickt er auf die abgeschlossene Arbeit, sei er froh und zugleich stolz. Wenn wundert es da, dass Grüssinger sich seinen Fotoapparat schnappt, als auf den Treppen vor dem Rathaus die Fusionsvereinbarung unterschrieben wird.
Zum Stift greift unter anderen Hans-Peter Thurn vom Verwaltungsrat St. Bonifatius. Er ist zugleich Vorsitzender des Pastoralauschusses, der die Überlegungen der Steuerungsgruppe und mehrerer Arbeitskreise bündelte. Hier sei letztlich die Fusionsvereinbarung entstanden, die dann zur Abstimmung an alle Pfarrgemeinde- und Verwaltungsräte ging.
Zustimmung des Bischofs erforderlich
Nach Auskunft von Thurn habe das Papier, dem in einem letzten Schritt noch der Bischof zustimmen muss, mehrheitlich alle Gremien passiert. Dass nicht jeder seine Zustimmung gab und es bis heute in einigen Gemeinden Skeptiker gibt, kann er verstehen. „So eine Fusion ist mit vielen Ängsten verbunden.“
So spricht Stadtdekan Rösch den Katholiken, die in großer Zahl zum Fronleichnamsgottesdienst gekommen sind, in seiner Predigt Mut zu. Wichtiger als die Strukturen sei das gemeinsame Gebet. Kirche werde auch nach der Fusion Heimat sein. Welche Aktivitäten es dabei in und um die einzelnen Gotteshäuser gebe, liege in erster Linie an den Menschen vor Ort.
Ausdrücklich weist Rösch darauf hin, dass seiner Ansicht nach die Fusion alternativlos war. „Es gibt Dinge, die man einfach annehmen muss“, erklärt er. Immer habe der Einzelne in solchen Situationen jedoch die Wahl, in welcher Grundhaltung er dies tue. Dies gelte auch für die Fusion der Innenstadtgemeinden.
Festliche Prozession durch die Innenstadt
Dem Fronleichnamsgottesdienst, der bereits in der Vergangenheit vor dem Rathaus abgehalten worden ist, schließt sich eine festliche Prozession durch die Innenstadt an. Ziel ist die Bonifatiuskirche. Hier ist bereits alles für ein gemütliches Beisammensein vorbereitet. Wer will, kann auch einen Happen essen.
Fronleichnam ist das Fest des Leibes und des Blutes Jesus Christi, wie der Stadtdekan berichtet. Der Gottesdienst vor dem Rathaus ist laut Thurn bewusst für die Unterzeichnung der Fusionsvereinbarung gewählt worden. „Wir wollen das öffentlich machen und nicht im stillen Kämmerlein.“

