Neue Leute, neue Hunde
29.04.2011 - WIESBADEN
Von Julian Ebert
DOG-WALK Bei Spaziergängen nach Feierabend lernen sich Mensch und Tier kennen
Ein Beschnuppern hier, ein Knurren und kurzes Kläffen dort: Nach einem kurzen Kennenlernen verstehen sich die fünf Vierbeiner, die ihre Besitzer zum Auftakt des After-Work-Dog-Walks mit Start an der Talstation der Nerobergbahn mitgebracht haben. Herrchen und Frauchen verstehen sich auf der Wanderung über die Leichtweißhöhle auf den Neroberg dagegen von der ersten Minute an.
„Unsere Feierabendwanderungen sind prima, um neue Leute und natürlich ihre Hunde kennenzulernen“, sagt Dagmar Weyerhäuser von der Hunderunde Wiesbaden, die die Spaziertouren durchs Wiesbadener Umland gemeinsam mit dem Verein „Der zufriedene Hund“ organisiert. Man merkt den Hunden ihren Bewegungsdrang deutlich an, mit Freude umspringen sie einander während der Wanderung durch den noch regenkalten Wald.
Dabei hat jeder seine Vorlieben und Eigenarten: Maxi, die kleine West-Highland-Terrier-Dame wühlt sich mit Genuss im nassen Laub fest, während Balou, ein Mischling aus Husky und Schäferhund, und Linus, ein Vizsla mit glattem, kakaobraunem Fell, ein kleines Kräftemessen austragen. Ob Mülltonnen plündern, Nerobergbahn fahren, Mäusejagd oder die Freundschaft zu Katzen - jeder der Hunde hat auch in Haus und Hof seine Vorlieben und Eigenarten, wie die Besitzer in einer lockeren Kennenlernrunde erzählen.
Einziger Wermutstropfen für die Hunde an diesem Abend: Die freie Hatz durchs Unterholz muss leider ausbleiben. „Wegen der Setzzeit der Rehe, während der Rehkitze herumstromernden Hunden schutzlos ausgesetzt sind, herrscht momentan leider absolute Leinenpflicht“, erklärt Thomas Schirmer, Hundeverhaltenstherapeut von „Der zufriedene Hund“. „Wenn ein Hund abseits der Wanderwege etwas gewittert hat, hört er auch nicht mehr auf die Pfiffe seines Herrchens“, ergänzt er.
Dass der Spieltrieb der Vierbeiner daher auf die Länge der Leine begrenzt ist, scheint diese aber nicht weiter zu stören: Es wird gesprungen und herumgetollt, und die kleinen Feindseligkeiten vom Anfang scheinen endgültig vergessen. „Konflikte zwischen Hunden entstehen oft durch die Unsicherheit ihrer Besitzer oder wenn deren Signale unklar sind“, sagt Thomas Schirmer. „Das kann sich dann schnell hochschaukeln, legt sich aber auch schnell wieder“. Die After-Work-Dog-Walks finden einmal im Monat auf verschiedenen Routen um Wiesbaden statt, derzeit sind 20 Touren geplant. Die Anmeldung erfolgt bei Thomas Schirmer über E-Mail ts@hundeerziehung-wiesbaden.de und die Teilnahmegebühr beträgt zehn Euro.

