Platte Flaschen als Deko-Schalen
19.04.2011 - WIESBADEN
Von Sebastian Poser
PROJEKT Schüler der Schulze-Delitzsch-Schule entwickeln ihre eigene Geschäftsidee und vermarkten sie selbst
Die Marktlücke war winzig - doch die Elftklässler der einjährigen Höheren Berufsfachschule der Wiesbadener Schulze-Delitzsch-Schule scheinen sie gefunden zu haben. „Wir haben recherchiert und in unserem größeren Umkreis keine Firma gefunden, die auch so etwas anbietet“, sagt Lehrer Axel Hinek. Aus alten Weinflaschen stellt die elfköpfige Projektgruppe um deren Vorsitzende Lea Stäger und Erkan Özgür, die von den Schulpaten Nicole Achzet und eben Hinek betreut werden, neue Glasschalen her. Und vertreibt die flaschenförmigen Platten über das von den Schülern in Eigenregie verwaltete Junior-Unternehmen „FlaVaDeko“ (Flaschen-Vasen-Dekoration).
Hingabe und Begeisterung
Genau das also, was das „JUNIOR“-Programm des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft von ihnen verlangt: Die jungen Unternehmer initiierten, organisierten und realisierten ihr Projekt. Mit Hingabe, Ideenreichtum und jeder Menge Begeisterung.
Auch wenn einige Zeit ins Land ging, bis die erste „Eternity“, so der Name der Schalen, mit Knabbereien gefühlt auf dem Tisch stand. Allein überhaupt die passende Geschäftsidee zu entwickeln, dauerte einige Zeit. Wochen, bis den Schülern im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufging: „Wir haben in verschiedenen Büchern nach Denkanstößen gesucht und sind dabei auf eine Lampe aus alten Glasflaschen gestoßen“, sagt Lea Stäger, „so entstand dann die Idee für die Schalen aus recycelten Weinflaschen.“
Eine Idee, die sich nur umsetzen ließ, weil Wilfried Günther, Projektpate aus der benachbarten Kerschensteiner-Schule und Profi in der Glaswerkstatt, sein Wissen und seinen Ofen zur Verfügung stellte. „Denn ohne ihn“, sagt Nicole Achzet, „hätten wir den Schmelzvorgang und das richtige Pressen aufgrund der verschiedenen Temperaturkurven wohl kaum hinbekommen.“ Was für die ersten Prototypen also noch fehlte, war eine passende Form, die sich die Jungunternehmer selbst aus Ton brannten. Die Weinflaschen sammelten die Schüler zuhause oder an Glascontainern ein. „Wichtig war dann vor allem, die Flaschen komplett zu säubern. Sonst haben sie nach dem Pressen einen matten, milchigen Schimmer“, sagt Lea Stäger.
Das Endprodukt soll jedoch glänzen. Und als Dekoration oder Servierschale dienen. „Verkaufen wollen wir die Schalen vor allem an Straußwirtschaften, dazu passen die Weinflaschen einfach am besten“, verrät Axel Hinek.
Eine eigene Finanzgruppe
Dazu haben die Jungunternehmer, die jeden Arbeitsschritt und jede ihrer wöchentlich vierstündigen Sitzungen für das Junior-Programm genau protokollieren müssen, neben der Produktions-, Verwaltungs- und Finanzgruppe auch eine Marketingabteilung ins Leben gerufen: „Wir haben Flyer und Visitenkarten gedruckt und eine eigene Website erstellt“, berichtet Erkan Özgür, der die Schalen gemeinsam mit Branko Milinkovic und Lars Meffert vor allem im Rheingau anbietet. Um mit dem Verkauf zumindest die Kosten zu decken, die die Platten-Produktion verschlang. Das Projekt wurde zunächst durch Anteilsscheine - verkauft an Mitschüler, Freunde und Familie - vorfinanziert.
Viel wichtiger aber: die Präsentation ihres Produkts im Mai beim Landeswettbewerb in Hanau. Wenn es darum geht, ihr Projekt vor einer Jury des Junior-Programms gut zu verkaufen, um sich einen Geldpreis für eines der besten Jungunternehmen und den Einzug auf Bundesebene zu sichern. Mit Hingabe, Ideenreichtum und jeder Menge Begeisterung.

