Ziel: Verkehr auf die Schiene bringen
17.03.2011 - WIESBADEN
Von Ingeborg Toth
DISKUSSION „Kleine Stadtbahnlösung“ als Auftakt
„Warum sollen sich ausgerechnet in Wiesbaden eine Stadtbahn oder die Wiederbelebung der Aartalbahn als alltägliches Verkehrsmittel nicht rechnen?“ Diese Frage stellte Hans-Gerd Öfinger von der Linken Liste, der an einer Diskussion teilnahm, zu der die Bürgerinitiative Pro Aartalbahn eingeladen hatte. Sie fand im alten Wartesaal des Dotzheimer Bahnhofs statt, der mit Fotos und Dokumenten zur Nassauischen Eisenbahngeschichte geschmückt ist.
Frage nach Machbarkeit
Mit Stephan-Werner Körschgen als Vertreter der Bürgerinitiative und dem Grünen Claus-Peter Große waren die Befürworter des schienengebundenen Verkehrs unter sich. Wobei Große öfter die Frage nach der Machbarkeit stellte. Die Linken, so der Grüne, seien „immer ein bisschen zu großzügig, wenn es um Geld geht“. Öfinger wehrte den Vorwurf mit der Floskel ab: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“
Körschgen sprach von einem „enormen finanziellen Verlust“, den Wiesbaden nach der Kommunalwahl 2001 erlitten habe. Ein „vollfinanziertes Stadtbahnprojekt“ sei nicht verwirklicht worden, weil die örtliche FDP dagegen Sturm gelaufen sei.
Große, der diese Art Bahn nach wie vor für Wiesbaden geeignet hält, sieht eine Neuauflage des Projekts als schwierig: „Wir haben nicht mehr die günstigen Eingangsvoraussetzungen.“ Die Notwendigkeit sei allerdings größer denn je. „Wir werden es gar nicht hinkriegen, die Schadstoffe des Straßenverkehrs so zu reduzieren, wie es der Gesetzgeber will.“
Körschgen plädierte dafür, mit einer „kleinen Stadtbahnlösung“ anzufangen. Vom Luisenplatz aus über die Mainzer Straße und den Petersweg sollte man seiner Meinung nach eine Linie nach Mainz bauen, die „täglich mit 70 000 Pendlern“ unterwegs sein könnte. Weil man schon mit der ersten Linie Betriebshallen, Werkstätten und ähnliches bauen müsse, um das zusätzliche System „Stadtbahn“ zu bedienen, werde jede weitere Linie billiger.
Öfinger war in jedem Fall dafür, vorhandene Schienen zu nutzen - und die zu beleben. So die Aartalbahn, die zuletzt nur mit Ausflüglern unterwegs war. Nicht mal das geht derzeit, weil ein Lastwagen die Eisenbahnbrücke Flachstraße beschädigt hat. Die Reparatur der Brücke scheiterte bisher am Geld: Es zählt, wie bei einem alten Auto, der Zeitwert. Der wird von den Versicherungen niedrig eingeschätzt.
Touristische Angebote
Große plädiert dafür, die Strecke schnellstmöglich wieder befahrbar zu machen. Über touristische Veranstaltungen seien die Bürger für die Aartalbahn zu begeistern. Sie ist wegen ihrer kultur- und technikgeschichtlichen Bedeutung als Fürsten- und Bäderbahn unter Denkmalschutz gestellt worden.
In einem zweiten Schritt könnte sie nach Meinung des Grünen wieder als alltägliches Verkehrsmittel benutzt werden. Jede vorhandene Schiene - soweit waren sich die Diskussionsteilnehmer einig - müsse genutzt werden, um Verkehr von der Straße auf Gleise zu verlagern.

