Spielend überzeugen
24.01.2011 - WIESBADEN
Von Oliver Bär
HPM KOMMUNIKATION Wiesbadener Agentur sieht Browser-Games als vielseitiges Marketinginstrument
Ob Soziales Netzwerk oder Fernsehsender: Wer etwas auf sich hält, setzt zur Kundenbindung auf Browsergames. Unzählige dieser häufig kostenlosen Internetspiele, die ohne Downloads oder langwierige Installationen auskommen, geistern derzeit durchs Netz. Auf dem boomenden Markt tummelt sich auch die Agentur HPM Kommunikation, die sich selbst als Agentur für technologiegestütztes Marketing sieht.
Erfolg mit „Fatal Vortex“
Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern hat das Wiesbadener Unternehmen die Browsergames für sich entdeckt. „Wir wollten nicht nur unseren Kunden dabei helfen, reich zu werden. Deshalb haben wir auch eigene Projekte gestartet. Natürlich auch um Sachen auszuprobieren, um zu sehen, was überhaupt geht“, erzählt Florian Dehnhard, Client Service Director bei HPM. Was geht, war einiges: Mehr als 80 000 Internetnutzer haben sich etwa bei dem interstellaren Echtzeit-Aufbauspiel „Fatal Vortex“ registriert und tauchen mehr oder minder regelmäßig in das virtuelle Universum ab, das derzeit generalüberholt wird. Auch die Autorenn-Management-Simulation „Time 2 Race“ arbeitet bereits profitabel. Hier sind rund 4 000 Nutzer angemeldet.
Beim Ausprobieren wurde eines schnell klar. Auch wenn sich die Spiele unterscheiden, die zugrunde liegende Mechanik ist bei vielen gleich. Aus dieser Erkenntnis entstand der weltweit einzigartige Browsergame-Baukasten mybrowsergame.com. „Mit unserem Produkt lassen sich Browserspiele einfach entwickeln. Anstatt zu programmieren, wird nur noch konfiguriert“, erklärt Dehnhard. Die Spielwelt, Gegenstände und ihre Eigenschaften sowie deren Beziehungen untereinander ließen sich mit diesem Werkzeug ohne tiefer gehende Programmierkenntnisse problemlos definieren. So ganz ohne ist die Sache allerdings nicht, immerhin müssen Texturen, Grafiken und Artwork eingebunden werden. „Häufig schließen sich bei uns deshalb auch Personen mit unterschiedlichen Kenntnissen zu Teams zusammen. Angemeldet sind bei mybrowsergame derzeit rund 35 000 Projekte, aktiv gearbeitet wird an etwa 2 000 Spielen, von denen gut hundert nach Einschätzung der Betreiber durchaus vorzeigbar und mit Chancen auf dem Markt seien.
Bezahlt wird nur bei Erfolg
Geld müssen die Spieleentwickler übrigens erst in die Hand nehmen, wenn das Spiel fertig und erfolgreich auf den von HPM zur Verfügung gestellten Hardware-Ressourcen gestartet ist. „Wir verlangen erst Gebühren, wenn mindestens 1 000 Spieler registriert sind“, betont Dehnhard.
Zum Geschäftsmodell der Agentur gehört natürlich auch, entsprechende Spiele als Marketinginstrument für Firmen zu entwickeln. Browserspiele seien vielseitig einsetzbare Marketinginstrumente, betont Isabell Jacobsen, Projektmanagerin bei HPM Kommunikation. So auch für Branding - das Besetzen einer Marke mit positiven Merkmalen - oder virales Marketing. Hierbei würden Medien genutzt, um ungewöhnlich auf ein Produkt aufmerksam zu machen. Etwa 20 Prozent des Geschäfts entfalle derzeit auf das Segment der Browserspiele, berichtete Jacobsen. Angepeilt sei eine Zielgröße von 30 bis 40 Prozent.
Im vergangenen Jahr erarbeitete die Agentur, die zurzeit zehn Mitarbeiter beschäftigt, einen Umsatz in Höhe von knapp 700 000 Euro, in diesem Jahr soll das Geschäft deutlich ausgeweitet werden - ebenso wie das Personal. Wir suchen händeringend neue Leute“, sagt Jocobsen. Neben dem klassischen Agenturgeschäft etwa im Printbereich und integrierten Kommunikationslösungen sind das Programmieren von Apps, kleine Programme für mobile Kommunikationsgeräte wie das iPhone oder innovative Kommunikationsformen wie das Rich Media Display, einem mobilen Präsentationsgerät im Hochformat, das als Welcome-Screen oder im Messegeschäft eingesetzt werden kann, weitere Standbeine der Agentur.

