Lüstling dreimal ausgetrickst
14.06.2010 - UNTERTAUNUS
Von Hannelore Wiedemann
PREMIERE Taunusbühne zeigt ihr neues Stück Falstaff auf der Burg Hohenstein
Listige Weiber, ein liebeshungriger raubeiniger Macho, ein rasend eifersüchtiger Ehemann sowie die verbotene Liebe von zwei jungen Leuten - das sind die Zutaten der Komödie, die die Taunusbühne in diesem Jahr auf Burg Hohenstein zeigt. Bei der Premiere am Freitagabend erntete das Stück tosenden Applaus; sogar eine Zugabe mussten die Schauspieler geben.
Die etwas verwickelte Geschichte aus der Feder des englischen Dramatikers William Shakespeare handelt von Sir John Falstaff, einem ebenso abgebrannten wie lüsternem Ritter, der versucht, sich mit Hilfe von Liebesbriefen an zwei verheiratete Damen aus der bürgerlichen Gesellschaft heranzumachen. Dumm für ihn, dass die Freundinnen alsbald feststellen, dass sie beide den gleichen Brief erhalten haben. Empört beschließen „Die lustigen Weiber von Windsor“, dem feisten, eingebildeten Ritter einen Streich zu spielen.
Alice Ford, verkörpert von Marianne Thiel, soll zum Schein auf Falstaffs Werben eingehen. Vom geplanten Schäferstündchen bekommt indes Ehemann Frank Ford (Andreas Roskos) Wind, dessen latente Eifersucht dadurch neue Nahrung erhält.
Flucht in den Wäschekorb
Turbulenzen sind im weiteren Fortgang der Handlung programmiert. Falstaff, dessen enorme Leibesfülle und Selbstgefälligkeit Uwe Hangen überzeugend breitbeinig auf die Bühne bringt, hat einiges auszuhalten: Mal muss er sich auf der Flucht vor den ehrenwerten Ehemännern im Wäschekorb verstecken und landet in der Themse, mal kann er nur als altes Weib verkleidet entkommen. Insgesamt drei Mal lässt er sich von Frau Ford und deren Freundin Margaret Page (Elke Gotscher) an der Nase herumführen, bis er gedemütigt erkennt: „Man hat einen Esel aus mir gemacht.“
Doch auch zwei andere Männer haben das Nachsehen: Der ungelenke Slender (Peter Kreppel) und der herrlich näselnde französische Arzt Cajus (Christian Müller). Beide haben es nämlich auf die zarte Anne Page, Tochter des Ehepaares Magaret und George Page, abgesehen und haben dafür je einen Befürworter bei den Eltern. Die versuchen dann auch, ihrem jeweiligen Günstling mit List und Tücke zum Erfolg zu verhelfen - doch der Plan geht gründlich schief.
Für Anne (Verena Gruber) gibt es ein Happy End mit dem edlen Fenton (Peter Neugebauer), der als einziger die Gelegenheit bekommt, in Shakespearschen Blankversen zu schwelgen.
Ansonsten nämlich hat Regisseur Michael Klatte die blumige Sprache des englischen Dichters in zeitgemäße Formen gebracht - inklusive eines herrlich hessisch schwätzenden Pfarrers, gekonnt gemimt von Holger Schön.
Das ist aber nicht die einzige Überraschung, mit der die Taunusbühne dem klassischen Stoff ihre Handschrift gibt. Denn das große Fest zum Abschluss wird gefeiert mit einem flotten Tänzchen zum Roy Orbison-Hit „Pretty Woman“ samt passendem Text, was beim Publikum besonders gut ankommt. Stehend zollen die Gäste dem Ensemble Applaus und bekommen das „Pretty Woman“-Ballett ein zweites Mal zu sehen.

