Blutdruckdaten via Fernseher oder Handy
20.09.2011 - HAHN
GESUNDHEIT Taunussteiner Bürger können an Forschungsprojekt der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) teilnehmen
(rik). Taunussteiner Bürger können bis Ende September kommenden Jahres an einem Forschungsprojekt der Wiesbadener Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) teilnehmen. „Wohnselbst“ heißt das Projekt, das dabei helfen soll, möglichst lange in der eigenen Wohnung zu leben.
„Wer von Ihnen misst täglich seinen Blutdruck?“, fragt die medizinische Projektleiterin, Ulrike Sixdorf, die etwa 40 Interessierten, die zur Informationsveranstaltung in das Hahner Bürgerhaus gekommen sind. Nicht ein einziger Teilnehmer meldet sich. Ein Beleg dafür, dass die Beteiligung an dem Projekt sinnvoll sein könnte. „Wir wollen dafür sensibilisieren, die Krankheit selbst in die Hand zu nehmen und vielleicht Medikations-Disziplin erreichen“, fügt die Ärztin hinzu. Wer an dem Projekt teilnehmen möchte, unterzieht sich zunächst einmal einem zweiteiligen Gesundheitscheck, bei dem unter anderem ein Belastungs-EKG erstellt wird, die Blutwerte untersucht werden und eine Duplexsonografie vorgenommen wird. Dann stellt sich heraus, ob man für eine Teilnahme überhaupt geeignet ist.
So ist das Projekt nicht auf insulinpflichtige Diabetiker ausgelegt, wohl aber geeignet für alle anderen Zuckerkranken sowie Patienten, die an Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck leiden. Dementsprechend erhalten diese dann eine Waage, ein Blutdruck- sowie ein Blutzuckermessgerät, damit sie täglich bis zehn Uhr morgens ihre Vitalwerte messen und in eine elektronische Krankenakte eingeben können. Damit die Daten an ein medizinisches Gesundheitscenter weitergeleitet werden können, wird ein Internetzugang benötigt. Die Eingabe kann jedoch wahlweise über den Fernseher oder den PC oder auch ein Smartphone erfolgen. „Sie können dabei nichts kaputt oder falsch machen“, betont Armin Hermann von der Firma Smart Living, die sich um die technische Einrichtung kümmert. Im Anschluss an die Informationsveranstaltung bietet er den Besuchern an, die Software einfach mal auszuprobieren. Das Gesundheitscenter steht auch für Fragen zur Verfügung, behandelnder Arzt bleibt jedoch der Hausarzt.
Über ein eigenes Netzwerk wird den Nutzern die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch gegeben. Auch dafür reicht ein Fernsehgerät aus. In Zusammenarbeit mit der Stadt Taunusstein und dem Gewerbeverein wird außerdem ein Informationsangebot zur Verfügung gestellt, über das beispielsweise abgerufen werden kann, welche Apotheke gerade Notdienst hat, welche Veranstaltungen angeboten werden und wie die Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs sind. Außerdem soll es auch die Möglichkeit geben, den Lieferservice lokaler Anbieter zu nutzen. Bislang hätten sich bereits zwei Lebensmittelhändler, ein Optiker, eine Apotheke sowie der Getränkehandel zur Kooperation bereit erklärt, erläutert der Vorsitzende des Gewerbevereins, Guido Kurtz.
Nach Möglichkeit soll das Angebot auch nach dem Ende des Projektzeitraums zur Verfügung stehen. „Erklärtes Ziel ist es am Ende des Projektes an den Markt zu gehen“, erläutert Projektleiterin Evelyn Vollmer, dass nach Wegfall der Fördermittel auf die Teilnehmer dann allerdings Kosten zu kommen würden.

