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Wiesbadener Kurier

Schlangenbad 

Mathematikstunde auf Römisch

27.07.2010 - HAUSEN

Von Hendrik Jung

GESCHICHTE Kulturlandschaftsverein Hausen bietet Erlebnisführung für Kinder



Sprechen, spielen und speisen wie ein Römer. Auf Einladung des Kulturlandschaftsvereins Hausen vor der Höhe wandelten im Rahmen einer Erlebnisführung knapp 20 Kinder „Auf den Spuren der Römer“.

Lateinische Schrift

Premiere für die Hohensteiner Pfarrerin Renate Klingelhöfer, alias Gewürzhändlerin Lea, und ihren Mann Dirk Augustini in seiner Rolle als Ursus Treverus. Unternehmen sie ihre Erlebnisführungen in die Römerzeit sonst bislang mit einem gemischten Publikum, so ist die Veranstaltung des Kulturlandschaftsvereins ganz auf den Nachwuchs ausgelegt. Dieser erfährt als erstes, dass man sich in lateinischer Sprache mit einem Salve oder Salvete begrüßt, je nach Zahl der Angesprochenen. Dann lernen sie die lateinische Schrift kennen. Oder besser: Die Unterschiede, die zu unserer heutigen Schrift bestehen. Diese sind vor allen Dingen bei den Buchstaben J und U zu finden, weil sich geschwungene Bögen so schlecht einritzen lassen. Eine Erfahrung, die sie gleich im Anschluss selber machen können, als sie ihren Namen in frischen Ton kratzen. Dazu stechen sie erst mal eine Scheibe aus der Tonplatte aus, denn am Ende soll ein selbst gestaltetes Medaillon mit nach Hause genommen werden.

Eigenes Medaillon

Mit Holzstäbchen machen sie sich dann daran, sich auf ihre ganz eigene Art zu verewigen: Philipp setzt ein Herz zu seinem Namen, Katherine schreibt wie bei einer Münze am Rand entlang und Mat von oben nach unten. Während der Ton trocknet, machen sie sich auf den Weg, um mehr über die Römer zu erfahren. Im Gefolge der Gewürzhändlerin stoßen sie dabei auf den Soldaten Ursus Treverus, der gleich willige Abnehmer für gladius (Schwert), parma (Schild) und hasta (Speer der Hilfstruppen) findet. Hat er zu Beginn auch eine Menge weibliche Rekrutinnen, ändert sich die Situation schlagartig, als diese sich zwischen ihren Waffen oder einer orangefarbenen Tunika samt der farblich dazu abgestimmten, darüber getragenen Palla entscheiden müssen. Schnell fällt die Entscheidung gegen das Metall und für den Stoff. „Weil ich so was lieber mag. Das ist so schön“, erläutert Ariana Rockenzahn ihren Sinneswandel. Im Gleichschritt oder im neuen Gewand geht es dann weiter zur nächsten Station. Hier wartet Lupus Nobilis, alias Adi Göbel, mit einer Lektion in lateinischen Zahlen. Auch die Erwachsenen lernen dabei, dass die Römer für eine 4 noch vier einzelne Striche gemacht haben. Erst im Mittelalter sei man auf die Idee gekommen, die bei der 6 schon übliche Verbindung der 5 mit einem Einzelstrich zu übernehmen und diesen für die kleinere Zahl einfach auf die andere Seite zu versetzen. Nach dem gleichen Prinzip habe sich auch die Schreibweise der Zahl 9 verändert, sei 40 in der Antike noch als XXXX geschrieben worden. Ein Wissen, das wenig verbreitet ist. Auch Nico Ernst hat es an der Gutenberg-Realschule in Eltville anders gelernt. Eben so, wie man heutzutage römische Zahlen schreibt und interpretiert. „Ich bin sehr interessiert an römischer Kultur und habe schon viele Bücher darüber gelesen. In der siebten Klasse bekomme ich jetzt nach den Ferien Geschichte. Das wird mein neues Lieblingsfach“, erklärt er, während er im Kettenhemd und mit einem Speer in der Hand seine ungewöhnliche Mathematikstunde genießt. Dabei üben sich die Kinder in mit Sand gefüllten Holzkästen im Schreiben der lateinischen Zahlen.

Fruchtig wird es dann bei der nächsten Station, bei der ihnen Gewürzhändlerin Lea vor Augen führt, welches Obst die Römer nach Germanien gebracht haben. Neben der Einführung von Aprikose, Birne und Traube haben sie auch für die Kultivierung der Äpfel gesorgt.

Birnen mitgebracht

Außerdem importierten sie etwa getrocknete Feigen und Datteln. „Ich will ne Dattel, ich will ne Dattel. Ich hab noch nie ne Dattel gegessen“, freut sich der fünfjährige Bennet Heck über diese Form der Wissensvermittlung. Wenn er dann später das abschließend noch mit der aktuellen Jahreszahl versehene Medaillon in die Hand nimmt, wird er sich vielleicht daran erinnern, wie süß die Früchte der Erkenntnis sein können.

Dirk Augustini als Legionär Ursus Treverus und Renate Klingelhöfer als Gewürzhändlerin Lea zogen die  Kinder bei ihrer Führung in die Römerzeit in ihren Bann. 	Foto: wita/Fromme

Dirk Augustini als Legionär Ursus Treverus und Renate Klingelhöfer als Gewürzhändlerin Lea zogen die Kinder bei ihrer Führung in die Römerzeit in ihren Bann. Foto: wita/Fromme


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