„Die schönste Kerb weit und breit“
07.09.2010 - OBERGLADBACH
Von Christine Dressler
BRAUCHTUM Obergladbacher feiern fünf Tage lang / Motto: Waldarbeit gesten und heute
Mit Kerbevater Volker Hopfs Toast „auf die schönste Kerb im Gladbachtal“ ging die Menge am Festzelt konform: Die Kerb sei „die beste weit und breit“ oder „überhaupt“ und es gebe „nirgends eine schönere“, schwärmten die Obergladbacher einig mit den Gästen. Dass hunderte Erwachsene, Jugendliche und Kinder auch aus Nachbarorten und der weiten Umgebung die viertägige Kerb gleich mehrfach besuchten, sprach Bände.
Kritik an Gemeinde
Wenn auch viele Kerbebesucher manch kritische Betrachtung des Kerbevadders nicht teilten, löste sein Kerbespruch doch eine Lachsalve nach der anderen aus. In pfiffigen Reimen zog Hopf vor allem Obergladbacher durch den Kakao, die sich etwa ausgeschlossen, den Ehering verloren oder den Skiurlaub ohne Skikleidung angetreten hatten. Die Begegnung der Sportvereinsfrauen mit einem „pudelnackischen“ Radler, die Höhenangst des Ortsvorstehers oder Rheingauer, die von den zuvor verachteten Dörflern aus dem Schnee gerettet werden mussten, nahm Hopf ebenso auf die Schippe wie die Gemeinde. Die ersetze weder den kaputten Mülleimer noch repariere sie den tropfenden Friedhofswasserhahn oder beseitige das Winterstreugut und spare jetzt sogar am Klopapier fürs Bürgerhaus. Dafür habe sie teures Dämmmaterial geliefert, von dem keiner wisse, wofür es gedacht sei. Lob erhielt die Präsenz von Bürgermeister Michael Schlepper, „der nicht groß stellt etwas an“.
Der Erfolg des Spruchs hat Tradition. Hopf, der 2009, nach 34 Jahren, den Vorsitz an Markus Jurka übergeben hat, hielt den Spruch schon, bevor die Kerbegesellschaft gegründet wurde. Die setzte mit ihrem Kerbezug einen weiteren Höhepunkt im bunten Programm, das von Hüpfburg und Riesenrutsche, Ponyreiten und Streichelzoo über die große Tombola und das Aufstellen des 21 Meter hohen Kerbebaums bis zu Gesang, Tanz und täglich unterschiedlichster Livemusik alle Alterstufen begeisterte. Mit 15 Nummern unter dem Motto „Waldarbeit gestern und heute“ zog der Tross durch das Dorf zum Festplatz.
Aufwendige Motivwagen zeigten dabei zum Beispiel einen alten Holzschlitten voller dicker Scheite neben einem Stamm, das Gerät, mit dem Erich Schneider jedes Jahr den Kerbebaum aus dem Wald transportiert, Seilwinde, Spalter und Kreissäge. Dazu hatte die Kerbegesellschaft Obergladbach (KGO) unter anderem die Mapper Schanze nachgebaut, liefen Gymnastik-Damen als Reisigfrauen mit und fuhr Peter Montsch Kinder im zwölf Meter langen Zug aus Minitraktoren herum.
Dass Zelt und Wiese ständig übervoll waren und selbst die 1500 von Männern im Dorf gesammelten und von den Frauen gebackenen Eier mühelos weggingen, freute die Akteure von Jurka bis zu dem mit 20 Jahren jüngsten Vorstandsmitglied Marc Dassow. Das Team hatte die Kerb mit Dutzenden Helfern „fünf Monate lang intensiv“ vorbereitet und war froh, dass sich das Engagement gelohnt hatte. Die KGO und ihre Kerb habe im Dorf „ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt“. Von 420 Einwohnern sind 120 Mitglieder der KGO.

