Wenn im Rathaus das Licht ausgeht
04.09.2010 - SCHLANGENBAD
Von Susanne Stoppelbein
UMWELT Schlangenbader Energiesparaktion „Minus zehn Prozent“ soll Mitarbeiter und Bürger sensibilisieren
Wenn Thomas Wenzler im Rathaus unterwegs ist, registriert er immer öfter, dass irgendwo blitzschnell das Licht ausgeknipst oder ein Fenster geschlossen wird. „Die Leute kennen mich schon am Schritt“, grinst der Schlangenbader Umweltbeauftragte, zu dessen Aufgaben die Umsetzung der Aktion „Minus zehn Prozent“ gehört.
Hinter der Zehn-Prozent-Aktion, ursprünglich eine Anregung der SPD-Fraktion, steht die Erkenntnis, dass sich der Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden allein durch das Verhalten der Benutzer um zehn Prozent senken lässt. Die Gemeinde hat in ihren Gebäuden Schilder aufgehängt, die daran erinnern, beim Verlassen der Räume das Licht auszumachen. Damit wolle man das Bewusstsein der Nutzer schärfen und „an den schonenden Umgang mit unseren Ressourcen erinnern“, so Bürgermeister Michael Schlepper (FDP). Zumal die hohen Bewirtschaftungskosten für Bürger- und Feuerwehrhäuser, Turnhallen, Kindergärten oder Friedhofshallen immer schwieriger aufzubringen seien.
Viele ziehen mit
Die Rathausbediensteten sind gehalten, bei ausreichendem Tageslicht auf Lampen zu verzichten, im Winter nicht über gekippte Fenster zu lüften, die Heizung nicht übermäßig aufzudrehen, Computer und Bildschirm auszuschalten, wenn sie länger nicht benutzt werden. Alle haben eine Steckdosenleiste mit Kippschalter bekommen, über den abends alles auf einmal abgeschaltet werden kann, um Standby-Verluste zu verhindern. Wenzlers Erfahrung auf den Punkt gebracht: Viele helfen überzeugt mit, einige wenige sind absolut resistent.
Die Gemeinde flankiert den Nutzer-Appell so gut es geht mit baulichen Maßnahmen. So erhält die Georgenborner Heinz-Grein-Halle neue Fenster und eine Dachisolierung. Die Heizungsanlage im Rathaus wird mit modernen Ventilen ausgestattet und ihr Verbrauch über alle Stockwerke optimiert. Nach und nach werden Energiesparbirnen in alle Lampen gedreht. Das hat zum Teil eine Firma erledigt, zum Teil der Umweltbeauftragte persönlich. Nur im Obergladbacher Bürgerhaus nicht, weil da alte Lampen und moderne Leuchtmittel nicht kompatibel seien, wie Wenzler bedauert. Im Foyer des Rathauses zeigt er seine neueste Errungenschaft: LED-Leuchten in Glühbirnenform, die das Licht gleichmäßiger verteilen und praktisch kaum noch Energieverlust über Hitze absondern.
Als er 1999 bei der Gemeinde angefangen habe, sei seine erste Aktion gewesen, das Foyer mit Energiesparleuchten zu bestücken, erinnert sich Wenzler. Statt 60 oder 80 Watt seien es dann nur noch elf Watt gewesen. Die Leuchten der jüngsten Generation haben drei Watt. „Aber der Energieverbrauch sagt heute nichts mehr aus, weil man ja weniger Energie verbrauchen will“, erklärt er. „Fünf Watt leuchten heute wie hundert“. Wenzler hat ausgerechnet, dass die Gemeinde alleine im Rathausfoyer durch das Umstellen auf LED-Leuchten 130 bis 140 Euro im Jahr spart.
Was insgesamt durch die Aktion eingespart wurde, wird allerdings erst offenbar, wenn die Jahresabrechnung vorliegt. Wunder erwartet der Umweltbeauftragte nicht, zumal eine neue Klimaanlage im Serverraum die Bilanz beeinrächtige. Die habe man einbauen müssen, weil die Geräte hitzebedingt ausgefallen seien. Der kühle Juli und die feuchte Bausubstanz, etwa im Rathausanbau, hätten es leider nicht zugelassen, diesen Sommer ganz aufs Heizen zu verzichten.

