„Das ist die pure Lust am Leben“
10.01.2011 - NIEDERNHAUSEN
Von Hendrik Jung
NEUE DEUTSCHE WELLE Sänger Markus und seine Zuhörer im Rhein-Main-Theater in Niedernhausen wollen einfach „nur Spaß“
„Ich will Spaß - Die wilden 80er“ heißt ein Showprogramm, das der Sänger Markus mit weiteren Mitstreitern der Neuen Deutschen Welle derzeit auf die Bühne bringt. Die zweite Aufführung der Show fand im Rhein-Main-Theater in Niedernhausen statt.
Die wilden 80er
Die zahlreichen Zuschauer im Rhein-Main-Theater meinten es ernst: Sie wollten Spaß und konnten gar nicht genug davon bekommen. Obwohl die Musiker nach einem knapp dreistündigen Programm die Bühne mittlerweile verlassen hatten, standen sie im nunmehr hell erleuchteten Saal und sangen lauthals den alten Hit von Geier Sturzflug: „Eins kann uns keiner nehmen und das ist die pure Lust am Leben.“ Die konnten sie dann auch noch eine Weile ausleben, denn im Foyer des Hauses war eine Tanzfläche eingerichtet worden, wo die einen zur Musik der 80er-Jahre ihrem Bewegungsdrang endlich freien Raum lassen konnten, während andere sich bei NDW-Star Markus ein Autogramm holten oder den Abend durch ein gemeinsames Foto verewigten.
Zuvor hatte der in Bad Camberg lebende Sänger gemeinsam mit Hubert Kah, Joachim Witt und Peter Hubert von UKW sowohl eigene als auch Hits von Nena, der Spider Murphy Gang oder eben Geier Sturzflug auf die Bühne gebracht und dabei das Lebensgefühl der Neuen Deutschen Welle beschworen. Allerdings in einer Form, die die Protagonisten in der damaligen Zeit wohl ausgesprochen uncool gefunden hätten. „Damals hätte ich mir das in der Form nicht vorstellen können. Das wäre zu wenig Rock’n’Roll gewesen“, räumt denn auch Markus selbst ein. Denn mit Video-Projektionen im Bühnenhintergrund und drei Tänzerinnen mit ständig wechselnden Kostümen sowie den in verschiedenen Farben glitzernden Jacketts und Anzügen von Markus wurde die Anti-Establishment-Attitüde der damaligen Zeit in einem modern angelegten Showprogramm auf die Bühne gebracht. Dabei pflegten jedoch sowohl Hubert Kah als auch Joachim Witt ihre aus alter Zeit bekannte egozentrische Bühnenpräsenz.
Peter Hubert, der sein ergrautes Haar unter einer weißen Baseball-Kappe versteckte, und Markus hingegen präsentierten sich mit energiegeladenen Auftritten. Dem Publikum war ohnehin alles Recht, Hauptsache es hatte Spaß und bekam seine geliebten Hits zu hören. „Lass uns reiten“, forderte etwa eine Zuschauerin lautstark den „Goldenen Reiter“ von Joachim Witt, während der gerade noch dabei war die Zeit der Neuen Deutschen Welle in Erinnerung zu rufen. „Schrei mich nicht an, das hab’ ich schon genug gehabt in meinem Leben“, konterte dieser und erntete dabei nicht zum ersten Mal Gelächter aus dem Publikum, um dann aber doch sogleich sein bekanntestes Werk spielen.
„Grüß mir die Sonne“
Dass sowohl die eigenen Songs wie „Ich will Spaß“ von Markus, „Ich will, was mir gefällt“ von UKW oder „Sternenhimmel“ von Hubert Kah, als auch die gecoverten Stücke wie „Major Tom“ von Peter Schilling, „Flieger, Grüß mir die Sonne“ von Extrabreit oder „Die Sängerin vom Königssee“ von Kiz überzeugend rüberkamen, lag nicht zuletzt an der musikalischen Unterstützung. Allen voran von Sängerin Silke Knoll, die über etwas verfügt, was in NDW-Kreisen vermutlich eher verpönt war, nämlich eine gut ausgebildete Stimme. Martin Achtelik an der Gitarre und Angie Taylor am Bass überzeugten nicht zuletzt mit ihren treibenden Soli. Jürgen Köhler am Keyboard streute all die Plastik-Klänge ein, die zu vielen Stücken der Neuen Deutschen Welle unbedingt dazu gehören, und Schlagzeuger Bernd Kohn sorgte für den nötigen Drive. Da war es auch nicht so schlimm, dass die Choreografie der drei Tänzerinnen noch nicht an allen Stellen stimmig erschien, der Ton manchmal zu laut, der Background-Gesang dafür meist zu leise war. So etwas hat die Fans vor 30 Jahren nicht gestört und tat es an diesem Abend auch nicht.

