Eier helfen beim Rechnen
27.05.2010 - NIEDERNHAUSEN
Von Sabine Posse
UNTERRICHT Mathematik-Projekttag an der Theißtalschule Niedernhausen
„Hier habe ich bunte Ostereier“, erklärt Nassima aus der Klasse 1c der Theißtalschule in Niedernhausen und zeigt auf die vier Eier aus Filz, die in einem kleinen Nest mit Ostergras vor ihr liegen. „Keine Farbe darf doppelt vorkommen“, weiß die Sechsjährige und malt mit Buntstiften gewissenhaft die Abbildungen auf ihrem Arbeitsblatt aus. „Ganz schön anstrengend“, findet Milena aus der 1b. Zusammen mit der Vorklasse und den Klassen eins bis vier der Grundstufe nehmen die Schülerinnen an dem Projekttag Mathematik 2010 teil.
Viele Helfer
Vorreiter der Veranstaltung war das Sinus-Projekt Mathematik, an dem sich die Kooperative Gesamtschule mit fünf weiteren Schulen aus dem Rheingau-Taunus-Kreis und der Stadt Wiesbaden beteiligt hatte. Nachdem das Sinus-Projekt vergangenen Sommer ausgelaufen war, gab eine Fortbildungsmaßnahme Waltraud Schönig, Leiterin des Fachbereichs Mathematik, den entscheidenden Anstoß, einen neuen Projekttag ins Leben zu rufen.
Viele Helfer waren nötig, um den Mathematiktag seit Februar vorzubereiten. Das Ziel besteht darin, Mathematik greifbar und verständlich zu machen, Kindern einen entsprechenden Handlungsspielraum zu geben. Dabei sollen allgemeine mathematische Kompetenzen wie Problemlösestrategien oder das Erkennen von Mustern und Transferfähigkeit gefördert werden. Die dadurch gemachten handlungsorientierten Vorerfahrungen sollen helfen, später hinzukommende, nicht nur mathematische Themen, leichter zu erlernen und zu verstehen. „Da Stochastik im Unterricht oft vernachlässigt wird, haben wir es als Thema für unseren Projekttag gewählt“, berichtet Schönig. Allerdings beschränke man sich bei den insgesamt drei Bereichen der Stochastik diesmal nur auf Kombinatorik und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Diesen begegnen Grundschüler ohnehin fast täglich in Form von Wahrscheinlichkeitsaussagen oder Spielen mit Zufallsgeneratoren.
Anhand von Materialien wie Gummibärchen, Duplosteinen, Glücksrädern, Würfeln, Plastikbesteck, Luftballons, Murmeln und Eistüten arbeiten die Kinder die jeweiligen Stationen ab und erhalten abschließend einen Stempel. „Was kann man denn hier machen?“, so die neugierige Frage beim Blick ins nächste Klassenzimmer. Sehr schnelle Kinder dürfen auch einen Jahrgang überspringen und dort eine Station ausprobieren. Für den außerplanmäßigen Unterricht haben sich Schüler der achten und neunten Klassen freiwillig als Betreuer zur Verfügung gestellt. Der 14-jährigen Gymnasiastin Sophie macht es besonders Spaß, die Erstklässler zu unterstützen.
Auch zukünftig möchte man die anschaulichen Mathematiksachen und Spiele nachhaltig im Unterricht einsetzen, so Schönig. Eigens dazu wurde ein Sinus-Raum eingerichtet, in dem das Material entsprechend aufbewahrt wird. Als pädagogisch wertvoll bezeichnet auch Schulleiter Hajo Brühl den Projekttag. Erst vor kurzem habe die achte Klassenstufe im hessenweiten Mathematikwettbewerb Ergebnisse im oberen Quartal erreicht, im Hauptschul- und Gymnasialbereich das jeweils beste Ergebnis unter allen Schulen des Rheingau-Taunus-Kreises und der Stadt Wiesbaden. Der Hauptschulbereich stelle sogar den Mathematik-Kreissieger. Dies alles käme nicht von ungefähr, so der Niedernhausener Schulleiter.

