Von Joachim Atzbach
SCHULSCHACH In Niederseelbach viel Spaß am königlichen Spiel / AG gut vorbereitet
Fabian ist an allem schuld. Jedenfalls im Prinzip. Nur, ganz offen gesagt, ist das Wort "schuld" dann doch etwas fehl am Platz. Schließlich hat Fabian nichts Verurteilenswertes getan. Eigentlich ganz im Gegenteil. Denn fest steht, dass es ohne den neunjährigen Fabian keine Schach-Arbeitsgemeinschaft an der Lenzenbergschule gäbe.
Und da ist Udo Hipler, pensionierter Flugkapitän aus Oberjosbach. Der ist fasziniert vom Schach. Was für manche nur ein Spiel ist, ist für Udo Hipler schon so etwas wie eine Philosophie. Udo Hipler ist auch Großvater, nämlich der von Fabian.
Freude wecken
Als Dritte im Bunde kommt dann Monika Simon, Leiterin der Lenzenbergschule, hinzu. Die hat irgendwann im vergangenen Jahr Großvater und Enkel zusammen Schach spielen gesehen. Hat erlebt wie viel Spaß es dem Jungen macht, vom Großvater in die komplexe Welt des königlichen Spiels eingeweiht zu werden.
Und damit war eigentlich schon die Idee von der Schach-AG geboren. Denn Udo Hipler sagte Monika Simon spontan zu, einmal wöchentlich im Rahmen der betreuten Grundschule, sein Schachwissen an Schüler der 4. Klasse weiterzugeben. Aber genauso wie es dem verantwortungsvollen Piloten nie in den Kopf gekommen wäre, einfach so mit einem vollbesetzten Jumbo an den Start zu rollen, musste auch erst mal eine gründliche Vorbereitung her, bevor der erste Kurs überhaupt stattfinden konnte.
In Bayern, dem führenden Bundesland wenn es um Schach als Unterrichtsfach geht, belegte Udo Hipler einen Kurs bei der Stiftung Deutscher Schulschach, der mit dem Schulschachpatent abschloss. Dazu kam noch Spezialsoftware vom Deutschen Schachbund und sehr, sehr viel Fachliteratur zum Thema Kinder und Schach.
"Spielfreude wecken. Nicht mit Theorie überfordern", hatte sich Udo Hipler vorgenommen und sollte damit auch recht behalten. Neun Kinder sind mit Feuereifer dabei, wenn donnerstags nach der letzten Unterrichtsstunde Schach-AG angesagt ist. Der zehnjährige Thorben ist mittlerweile schon Mitglied im Idsteiner Schachclub, Fabian wurde 2008 bester Spieler seine Altersklasse im Rheingau-Taunus-Kreis. Man kann eine Stecknadel fallen hören, wenn Julian und Thorben nach zehn Monaten Schachunterricht angetreten sind, um die Einzelmeisterschaft der Arbeitsgemeinschaft auszuspielen. Die anderen Kinder folgen mit Faszination ihren Zügen. Einige machen sich Notizen. "Die Kinder lernen Fairness. Sich an Regeln zu halten. Ein großes Problem war anfangs das Verlieren können", sagt Udo Hipler. "Inzwischen sind wir soweit, dass der Gewinner seinem Gegenspieler zum tollen Spiel gratuliert." Schulleiterin Monika Simon formuliert die pädagogische Sicht: "Hervorragend für Konzentration, logisches und strategisches Denken." Und bereits jetzt steht fest, dass es im nächsten Schuljahr an der Lenzenbergschule wieder eine Schach-AG geben wird.

