Der „Erlkönig“ und der Beatboxer
16.04.2011 - NIEDERNHAUSEN
Von Hendrik Jung
TALENTSUCHE Volles Haus bei „Bühne frei“ in der Theißtalschule in Niedernhausen
Zum zweiten Mal hieß es an der Niedernhausener Theißtalschule „Bühne frei“. Dabei waren Schüler, Eltern und Lehrer aufgerufen ihr musikalisches Talent unter Beweis zu stellen. Nicht weniger als 18 Programmpunkte konnten an diesem Abend im Foyer der Schule präsentiert werden.
Lehrerband dabei
Der Andrang zu dem Konzertabend ist groß. Noch kurz vor Veranstaltungsbeginn steht eine lange Schlange vor den Türen. Sitzplätze gibt es ohnehin nicht mehr. Am Ende wird das nicht gerade kleine Foyer der Theißtalschule dicht besetzt sein. „Das war im vergangenen Jahr so ein großer Erfolg, dass wir gesagt haben das müssen wir wiederholen. Es hat sich auch unter den Schülern herum gesprochen, dass die Musiker gut sind und ist so zu einer Veranstaltung von Schülern für Schüler geworden“, freut sich die Vorsitzende des Förderkreis der Schule, Anja Wiemann, über die große Resonanz auch beim jüngeren Publikum.
Die Idee zu dem Konzept kam von Lehrer Andreas Gärtner, der mit den Schülern seines Wahlpflichtunterrichts auch für ein schönes Licht und den guten Ton sorgt. Sein Kollege Tobias Heinz hat die Aufgabe eines Roadies übernommen und hilft bei den notwendigen Umbauten zwischen den einzelnen Programmpunkten. Die Moderation des Abends haben mit Caroline Wesolowski und Natascha Kakkar zwei Schülerinnen der zehnten Klasse übernommen. Routiniert führen sie durch ein abwechslungsreiches Programm.
Dabei ist alte Musik, wie Ludwig van Beethovens „Sonate an Haydn“, genauso vertreten ist wie ältere Musik, etwa das von der Lehrerband interpretierte „All right now“ der Band „Free“ aus den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Vor allem aber sind aktuelle Hits von Marit Larsens „If a song could get me you“ über Rihannas „Take a bow“ bis zu Pinks „F...in‘ Perfect“ zu hören.
Das sicher spannendste Projekt ist gleich beim Auftakt zu erleben: Denn wenn die beiden Siebtklässler Adarsch und Azad den „Erlkönig“ interpretieren, trifft Tradition auf Moderne. Während Azad als Beatboxer auftritt und mit seinen Stimmbändern die perkussive Begleitung übernimmt, rezitiert Adarsch spannungsvoll Johann Wolfgang von Goethes Ballade. „Meine Deutschlehrerin Yvonne Schormann hat mich auf die Idee gebracht, die Ballade bei „Bühne frei“ vorzutragen, nachdem ich in der Arbeit darüber eine Eins geschrieben hatte“, berichtet Adarsch wie es zu dem Projekt gekommen ist.
Sogar gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin steht Nathalie Veith aus der fünften Klasse auf der Bühne, die sich für eine Interpretation von Mariah Careys „Hero“ entschieden hat. „Weil es mein absolutes Lieblingslied ist“, erläutert sie. Eigentlich habe sie es solo zu der Keyboard-Begleitung von Christina Schäfer vortragen wollen, am Ende habe man sich aber dazu entschieden es wie im Original als Duett zu singen.
Singender Schlagzeuger
Mit Christoph Thevissen nimmt auch ein ehemaliger Schüler an der Veranstaltung teil. Er überzeugt mit einer stimmungsvollen Interpretation von Bruce Hornsbys „The way it is“ am Keyboard. Sogar Wunderkerzen werden dann entzündet, als der von Hans-Joachim Schlaud geleitete Chor Marius Müller Westernhagens „Freiheit“ anstimmt. Der vermutliche einzige gemischte Chor weit und breit, der über mehr Männer- als Frauenstimmen verfügt, beweist vor allem bei der sich mehrmals steigernden Dynamik der Schlusszeile seine Stimmgewalt.
Dann kommt die große Zeit der Rockbands. Los geht es mit den fünf „Musicgirls“, die „Krieger des Lichts“ von Silbermond für ihren Auftritt ausgewählt haben. Passend, denn sie haben zu Beginn mit dem dichten Nebel aus der Maschine zu kämpfen. Gelassen nimmt dagegen der singende Schlagzeuger David Rothe die Ovationen seiner Fans vor dem Auftritt mit seiner Band entgegen. Nach der umjubelten Interpretation von „Seven Nation Army“ der White Stripes wird zu Recht jedoch auch Bassist Jonathan beklatscht.

