Drillisch macht in Idstein dicht
28.08.2010 - IDSTEIN
SCHLIESSUNG Kampf um Arbeitsplätze
(VoS). „Menschenverachtend und nicht auf dem Boden der Gesetze! Drillisch Telecom entzieht den Beschäftigten in Idstein die Arbeit“. Mit harscher Kritik reagiert die Gewerkschaft verdi auf die Schließung des Standortes in Idstein. Dort haben bisher etwa 74 Menschen gearbeitet.
Die Drillisch AG mit Hauptsitz in Maintal ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft und bietet Telekommunikationsdienstleistungen an. Im Januar 2007 hat Drillisch seinen ehemaligen Wettbewerber Telco Services GmbH aus Idstein mit rund 300 000 Kunden zum geschätzten Kaufpreis von 40 bis 50 Millionen Euro übernommen. Seit dieser Zeit firmiert Telco unter dem Drillisch-Firmendach.
Vertrauliche Verhandlungen
Konfrontiert mit der Gewerkschaftskritik sagte Drillisch-Pressesprecher Oliver Keil: „Wenn Sie von der Schließung des Idsteiner Standortes sprechen, kann ich das nicht negieren.“ Damit ist klar, dass es für die Beschäftigten zumindest in Idstein keine Arbeitszukunft im Drillisch-Unternehmen mehr gibt. Oliver Keil ist zu konkreten Aussagen zum weiteren Vorgehen des Unternehmens mit den Beschäftigten nicht zu bewegen. „Ich kann keine offizielle Stellungnahme abgeben, weil vertrauliche Verhandlungen laufen und mit dem Betriebsrat Vertraulichkeit vereinbart wurde.“
Wesentlich offener ist die Gewerkschaft. „Unter dem Vorwand, eine mögliche Verletzung des Datenschutzgesetzes auszuschließen, hat die Drillisch Telecom GmbH allen Mitarbeitern in Idstein den kompletten Systemzugang und damit die Möglichkeit zur Arbeit entzogen. Der Mobilfunk-Provider setzt damit die beabsichtigte Schließung des Standortes Idstein um, ohne mit dem Betriebsrat die Verhandlungen über einen Interessenausgleich überhaupt begonnen, geschweige denn abgeschlossen zu haben“, schimpft der zuständige Gewerkschaftssekretär Thomas Müller von verdi Hessen.
„Wir können seit Montag nicht mehr arbeiten, weder am PC noch am Telefon“, schildert er Aussagen von betroffenen Idsteiner Mitarbeitern. Außerdem seien schon technische Geräte aus Idstein abtransportiert worden.
Die Gewerkschaft will den Betriebsrat und die Beschäftigten in ihrem Kampf um den Erhalt des Standortes weiter unterstützen. Wie Müller mitteilt, wird versucht, gegen die Schließung des Idsteiner Standortes vor Gericht eine einstweilige Verfügung zu erwirken.

