Pfarrer gesteht Missbrauch - Ehemaliger Idsteiner Seelsorger nötigte 15-Jährigen
15.03.2010 - IDSTEIN
Von Volker Stavenow
Der ehemalige Idsteiner Pfarrer Dieter Frey hat vor mehr als 20 Jahren einen damals 15-jährigen Konfirmanden sexuell missbraucht. Entsetzte Gesichter, Tränen, ungläubiges Kopfschütteln der schockierten Gottesdienstbesucher am Sonntagvormittag in der Idsteiner Unionskirche. Als Pfarrer Martin Kuhlmann als Vorsitzender des Kirchenvorstandes der evangelischen Gemeinde offiziell bestätigt, was bereits seit Freitagabend als Gerücht durch Idstein kursiert, bricht für viele Idsteiner Christen eine Welt zusammen.
Aber es ist keine Gerücht, sondern Tatsache: Kuhlmanns langjähriger Idsteiner Kollege, Pfarrer im Ruhestand Dieter Frey, hat Anfang der 80er Jahre auf einer Konfirmandenfreizeit einen Jungen sexuell missbraucht. Das hat Frey, der seit seiner Pensionierung in einem Bad Homburger Stadtteil lebt, seiner Landeskirche schriftlich bestätigt. Zu der damaligen Zeit ist Dieter Frey Pfarrer in Friedrichsdorf. Dort unterrichtet er auch Religion an Schulen. Erst 1993 kommt Frey als Seelsorger in die evangelische Unions-Kirchengemeinde.
"Tief bestürzt"
„Der Idsteiner Kirchenvorstand kam am Samstagmittag zu einer Sondersitzung zusammen und ist tief bestürzt“, beschreiben Pfarrer Martin Kuhlmann und Kirchenvorsteher Jörg Fried die Empfindungen in der evangelischen Gemeinde in Idstein.
Bitter ist der Vorgang speziell auch für Jörg Fried, der mit Frey jahrelang das beliebte Kirchenkabarett „Fried, fromm, fröhlich, Frey“ inszeniert hat.
Tatort Konfirmandenfreizeit
Noch im gestrigen Gottesdienst bittet Kuhlmann die Gemeindemitglieder, den Kirchenvorstand umgehend zu informieren, wenn es auch in Idstein Missbrauchsopfer gibt.
Das Opfer – heute 42 Jahre alt – hat den Stein ins Rollen gebracht. Der Mann wandte sich an die Öffentlichkeit und beschrieb, wie sich Dieter Frey ihm, dem 15-Jährigen, auf einer Konfirmandenfreizeit unsittlich im von beiden genutzten Zimmer genähert hat. Der Junge rannte danach aus dem Raum zu einer Betreuerin.
Besuch im Frankfurter Bordellviertel
Außerdem habe Frey ihn mit ins Frankfurter Bordellviertel genommen. Seit dieser Zeit hat der heute 42-Jährige diesen Zwischenfall nach eigener Aussage nicht überwunden. Er sei jetzt an die Öffentlichkeit gegangen, weil die Kirche auf seine Informationen hin nicht reagiert habe und ihn die damaligen Ereignisse durch die aktuelle Debatte über Missbrauch in Kirchen wieder eingeholt hätten. Nach einer Befragung durch Vertreter der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EHKN) gab Dieter Frey nun den Übergriff zu.
„Ich bestätige, mich Anfang der 80er Jahre gegenüber einem Jugendlichen meiner damaligen Gemeinde aus einer Zuneigung heraus in unzulässiger Weise genähert zu haben. Ich bereue dies heute zutiefst. Viel deutlicher als damals sehe ich heute, welches Leid ich dem Betroffenen damit zugefügt habe. Ich habe den aufrichtigen Wunsch, bei ihm um Verzeihung zu bitten und zu fragen, was ich dazu tun kann, dass er die damaligen Erlebnisse seelisch verarbeiten kann.“ Dieses Geständnis von Dieter Frey verbreitet die EKHN über ihre Pressestelle. Allerdings bestätigt Dieter Frey nicht alle Beschuldigungen.

