Schüler werben für Atomausstieg
16.06.2011 - NIEDERNHAUSEN
THEISSTALSCHULE Abschlussbanner der Klasse G9b wird zum politischen Statement / Grüne Energien bevorzugt
Meterlange Sprüche-Banner zieren seit einigen Tagen die Fassade der Theißtalschule. Mit den Plakaten feiern die Schüler ihren erfolgreichen Abschluss und verkünden darauf ihre ganz persönlichen Abschiedsgrüße. „Nur die Besten kamen durch. AK’11“, ist dort zu lesen oder auch: „Nur die Besten gehen mit Abschluss.“ Ein Plakat jedoch sticht aus allen Bannern der kooperativen Gesamtschule hervor. „AKW’ - Wir schalten ab“, steht darauf in schwarz-gelben Lettern geschrieben und das Logo „Atomkraft? Nein Danke!“ wurde kurzerhand in „Schule? Nein Danke!“ umgewandelt.
Zum Nachdenken anregen
Aus aktuellem Anlass hatte sich die Klasse G9b in den vergangenen Wochen für das Motto entschieden. Nach dem verheerenden Atomunglück in Fukushima hatten die Schüler fachübergreifend über das Thema diskutiert. In Politikwissenschaft ging es um die gesellschaftspolitischen Hintergründe und darum, welche Bedeutung die nukleare Katastrophe in Japan für den Atomausstieg in Deutschland hat. In Physik und Chemie wurde besprochen, was Atomkraft überhaupt ist und wie alternative Energien den Atomstrom ersetzen könnten. Heute sind alle Schüler der Abschlussklasse G9b froh darüber, sich eine klare Meinung zum Thema Atomenergie gebildet zu haben. „Wir sind ausnahmslos gegen Atomkraft“, sagt Niklas Heinrich stellvertretend für seine Klassenkameraden. Somit war schnell klar, dass sich diese Meinung auch in ihrem Abschlussbanner widerspiegeln sollte. „Wir wollten uns nicht nur von den anderen Klassen abheben, sondern vor allem auch zum Nachdenken anregen“, erklärt Hannah Neugebauer. Und selbstverständlich habe das Thema auch deswegen super gepasst, weil die Buchstaben „AK“ von „AKW“ sowohl für Atomkraft als auch für Abschlussklasse stehen. Nach Beendigung der neunten Klasse Sprüchebanner aufzuhängen, hat an der Theißtalschule eine lange Tradition. Jedoch ist es nicht zwingend notwendig, ein politisches Thema zu wählen. „Wir wollten neben dem Spaß aber auch inhaltlich was rüberbringen“, sagt der 15-jährige Felix Ekert.
Doch neben all dem politischen Engagement steht für die Schüler in den kommenden Tagen vor allem auch der Spaß im Vordergrund. Heute kommt es zum ebenfalls traditionellen Abschlussstreich und morgen feiern die Schüler dann endlich die langersehnte Zeugnisübergabe. Nach dem erfolgreichen Abschluss der neunten Klasse an der Theißtalschule wird ein Großteil der Schüler auf weiterführende Schulen wechseln. So auch die Schüler der Klasse G9b, die den gymnasialen Zweig der Schule besucht haben. Der 15-jährige Niklas Heinrich wird die Hansenbergschule in Geisenheim besuchen, Hannah Neugebauer die Leipniz-Schule in Wiesbaden und Felix Ekert die Martin-Niemöller-Schule in Wiesbaden. Danach werde voraussichtlich ein Studium folgen, erzählen die Schüler. In welchem Fachgebiet, das sei jedoch noch nicht klar. Nur in einer Sache sind sich alle Schüler der Abschlussklasse G9b jetzt schon einig: „Wir werden uns auch in Zukunft für den Atomausstieg engagieren und als Verbraucher später auf grüne Energien setzen.“

