Von Sabine Posse
AUFFÜHRUNG Thespis-Projekttheater zeigt die Geschichte von "Ox und Esel" auf Burg Hohenstein
"Was zum Teufel ...? Wer macht denn so was? Sauerei!", beschwert sich der Ox beim Esel, als er das Jesuskind in seiner Futterkrippe vorfindet. Die so ganz andere Weihnachtsgeschichte von Norbert Ebel, vorgeführt von Thespis-Projekttheater, war auf Burg Hohenstein zu erleben.
Dort trotzen die im Jahre 1190 erbauten Burgmauern eisiger Kälte und anhaltendem Schneegestöber, denn ursprünglich sollte das Theaterstück unter dem Motto "Weihnachten auf Burg Hohenstein" auf der überdachten und angeheizten Terrasse des Hotelrestaurants Waffenschmiede stattfinden. Doch da es schier unmöglich ist, das vorgesehene Zelt im Außenbereich aufzustellen, bietet Achim Diefenbach, Inhaber der Waffenschmiede, seine Hilfe an und lässt die Bühnenkulisse im Restaurant aufbauen. Trotzdem sorgt das Wetter für weitere Hindernisse, indem es Souffleuse Annette Chadzelek mit sämtlichen Kostümen im Schnee festhält. Doch Michael Klatte, zuständig für Regie und Technik, überbrückt die Wartezeit mit Erzählungen aus vergangenen Pilotentagen. Das Publikum indes nimmt die 40-minütige Verspätung gelassen, holt sich heißen Glühwein und frisch gebrutzelte Bratwürste von der Terrasse.
Schließlich hat man sich bei dem Schneetreiben ohnehin auf einen gemütlichen Nachmittag eingerichtet und außerdem gibt es ja auch ein anschauliches Bühnenbild zu betrachten: Stallwände mit einer Tür aus braunen Holzbrettern und einer brennenden Laterne, Kisten und Säcke, Strohballen und eine Futterkrippe, selbst gezimmert aus einem alten Baum, der einst im Garten von Schauspieler Uwe Hangen alias der Ox stand.
Und da betritt er auch schon die Bühne und fragt Schauspielkollegin Marianne Thiel als Esel völlig genervt: "Und wo sind Josef und diese Maria?". "Vielleicht einkaufen gegangen?", überlegt der Esel und wackelt mit seinen großen Ohren. Aber was nun mit diesem Ding, das nicht alleine frisst und nicht alleine kriecht, wie junge Tiere es zu tun pflegen? Ein Menschenkind ist doch etwas ziemlich unselbstständiges, müssen Ox und Esel schließlich feststellen und führen dem amüsierten Publikum auf tierische Weise menschliche Eigenarten und Eigensinn vor. Dabei bedienen die beiden Amateurschauspieler mit modernen und humorvollen Dialogen das typische Klischee von Mann und Frau. Über die Rollenverteilung der sanften, zarten Mutter und des stolzen Vaters, der hart im Nehmen ist, drängt sich die Frage der Verantwortung in den Vordergrund und regt die Zuschauer trotz häufigem Schmunzeln auch zum Nachdenken an.
Aber neben dem Leitgedanken Verantwortung zu tragen, wird in dieser heiter-besinnlichen Weihnachtsgeschichte auch der eigene Wille angesprochen. "Du musst nicht alles glauben, was man Dir erzählt", so der Ox zum Esel, bevor er seinem eigenen Gewissen folgt und den Soldaten des Herrn Rodes, der das Kind holen will, verprügelt, bis die Stallwände wackeln.
In der Schlussszene nehmen Ox und Esel das Jesuskind in die Mitte, um zu demonstrieren, dass sie von nun an gemeinsam die Verantwortung übernehmen werden.
Auf der Bühne gehen die Scheinwerfer aus, während die Darsteller der Gruppe "Thespis" viel Applaus für ihr Theaterstück erhalten. Gemeinsam hatten die drei Amateurschauspieler aus Leidenschaft, Ende 2007 Thespis Projekttheater mit Förderung durch das Kulturamt Wiesbaden gegründet, um weg von der festen Bühne, neue Spielräume, neue Erfahrungen und neues Publikum zu suchen. Dabei wechseln die Stücke jährlich, mit Ausnahme von "Ox und Esel", das aufgrund der großen Nachfrage auch nächstes Jahr wieder gespielt wird.

