Hexenschuss bei der Probe
18.11.2010 - BAD SCHWALBACH
Von Martin Fromme
KULTUR LOKAL Taunusbühne spielt in Bad Schwalbach den „Großen Zauberer Oz“
„Der große Zauberer Oz“ heißt die neue Produktion der Taunusbühne. Aber es bleibt lange ein großes Rätsel, hinter welcher Figur sich der Titelheld verbirgt. „Wir erzählen eine Geschichte,“ betont Matthias Brunner, der mit Andreas Roskos Regie führt. „Erzählen“ bedeutet, in diesem Jahr ist es kein Musical, wenn das gut 80-minütige Stück auch nicht ganz auf Musik verzichtet.
Premiere am Samstag
Die Bühnenfassung des Märchens „The Wonderful Wizard of Oz“ von L. Frank Baum stammt aus Brunners Feder. Die Motivation dazu geht auf seine Kindheit zurück. „Der Stoff hat mich schon immer fasziniert.“ Da es auch Brunners Regiedebut ist, arbeitet er mit dem erfahrenen Regisseur und Theaterpädagogen Andreas Roskos zusammen. Bunners Theaterfassung erfuhr so manche Kürzung, aus ursprünglich 60 Seiten wurden 40. Der Rotstift einer konsequenten Regie macht selbst vor Klassikern nicht halt. Heraus kam eine kurzweilige, bunte und stellenweise schrille Inszenierung, die viel Raum für Nachdenklichkeit lässt. „Der große Zauberer Oz lockt unentdeckte Talente aus Betty und ihren Gefährten heraus“, beschreibt Andreas Roskos den Gehalt des Stücks hinter der Handlung.
„Konstruktiv und konzentriert haben sich die Kinder in die Produktion eingebracht,“ berichtet Roskos. Spontane Einfälle und kuriose Versprecher finden sich im Text wieder. So wurde etwa aus dem Blutegel ein „Blutekel“. Zwei Drittel der 27 Darsteller sind Kinder und Jugendliche. Unter ihnen befinden sich, dank der intensiven Jugendarbeit der Taunusbühne, schon erfahrene Schauspieler, aber auch viele Kinder, die erstmals auf den Brettern stehen. Die Jüngste mit gerade mal sechs Jahren.
Mit Steuerknüppel
Alle bringen sich voll ein, selbst wenn die Bedingungen für einige nicht ganz einfach sind. Holzfäller (Birgit Benedetto) und Löwe (Christian Müller) schwitzen in ihren Kostümen nahe an der Dehydrierung, da die ständige Bühnenpräsenz kaum Zeit zum Trinken lässt. Die kurioseste Verkleidung aber kommt vom Bühnenbau. Johannes Heep steckt in einer riesigen Spinne, die sich Thomas Matusek ausdachte und aufwändig aus Abflussrohren, Blumentöpfen und Bestandteilen einer Atemmaske konstruierte. „Die Bewegung der Krallen funktioniert wie bei einem Hubschrauber, per Steuerknüppel,“ sagt Matusek. Dass jener „Steuerknüppel“ eine alte Bratpfanne ist, verrät die Genialität des Erfinders. Noch so eine Anekdote, die das Bühnenleben schreibt: die „böse“ Hexe Lilanosa (Gudrun Dauth) ereilte während der Proben ein „standesgemäßer“ Hexenschuss. Aber den hat sie überstanden und lampenfiebert jetzt wie alle Darsteller der Premiere am 20. November um 15 Uhr entgegen.

