Bad Schwalbacher Carneval Club greift im Kurhaus aktuelle Themen auf
21.02.2012 - BAD SCHWALBACH
Von Hendrik Jung
Über ein ausverkauftes Haus freute sich der Bad Schwalbacher Carneval Club bei seiner Sitzung im Kurhaus. Nach fünf Stunden Programm mit Musik, Tanz und Vorträgen feierten die mehr als 400 Gäste noch bis drei Uhr im roten Saal weiter.
„Es war ein klasse Jahr fürs Protokoll“, freute sich Volker Kaiser vom Carneval Club Wiesbaden über das real existierende Narrentum, das 2011 geherrscht habe. Zu seinem vorläufigen Abschied aus der Bütt verlieh der Protokoller zunächst seine ganz persönlichen Bambis. Für das Lebenswerk Helmut Kohls in „Das große Vergessen“, für das von Helmut Schmidt in „Rauchende Colts“ und für das von Edmund Stoiber in „Jäger des verlorenen Satzes“.
Beeindruckt zeigt er sich von der Fähigkeit Karl Theodor zu Guttenbergs, zwei Drittel seiner Doktorarbeit abzuschreiben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Um einen solchen Bewusstseinszustand zu erreichen, benötige ein Buddhist locker 30 Jahre. Doch scheinen ihm Politiker ohnehin die besseren Buddhisten zu sein. Schließlich sei dort der Amtsnachfolger in der Regel eine Reinkarnation seines Vorgängers.
Womit er quasi beim Thema des Tages angekommen war. Denn auch kurz nach seinem Rücktritt vom Amt gehört neben den Pleiten der FDP und Griechenlands auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff zu den Themen, die mit spitzer Feder kommentiert werden. Großen Beifall erhielt Volker Kaiser denn auch für seine Würdigung des Werks „Die Wulffs zu Gast bei Freunden“.
Ebenfalls nicht um das Thema herum kam Andy Ost vom Karneval-Club Kastel, der sich bei seinen Beiträgen zu bekannten Melodien an der Gitarre oder am Flügel selbst begleitete. „Deine Spuren auf Band, die die Bild-Zeitung fand. Was hast Du nur genommen? Was ist mit Dir bloß passiert?“, fragte er zur Musik Howard Carpendales unter dem Riesenjubel des Publikums, das gar nicht genug von ihm hören konnte.
Mit dem ganz normalen Leben setzte sich dagegen Detlef Sissol aus Bleidenstadt auseinander, der anlässlich seiner Silberhochzeit mit einer Seereise bestraft wurde. „Auf dem Schiff war es so langweilig, dass ich sogar angefangen habe, mich mit meiner Frau zu unterhalten“, klagte er.
Politik und Akrobatik
Ohne seine Frau musste hingegen der Borner Sitzungspräsident Holger Schön auskommen, der von seinen Erlebnissen als Hausmann berichtete.
Politisch wurde es dann wieder, als die Vorsteherin der Stadtverordnetenversammlung, Ulrike Neugebauer, die Bühne betat. Als Blumenmädchen der Landesgartenschau schwärmte sie schon einmal von der Aktionswiese für Yoga, den zum Verweilen einladenden Chilling-Trees oder dem grünen Klassenzimmer, in dem die Schüler sich zum Lernen treffen.
Natürlich hinter einer Lärmschutzwand, damit es nicht zu Beschwerden kommt. Für ihre Forderungen nach einer Belebung Bad Schwalbachs erhielt sie lautstarke Unterstützung aus dem Publikum. Und das, obwohl sie auch das Thema Finanzen nicht ausklammerte: „Was soll’s, wird es e bissje teuer, erheben wir halt ne Zusatzsteuer“, lautete ihr Lösungsvorschlag. Aus gegebenem Anlass denkt sie auch an einen Hochseil-Parcours: „Da kann de Magistrat schon mal probieren, wie sie es finanziell ausjonglieren“.

