Samstag, 11. Februar 2012 17:23 Uhr
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Wiesbadener Kurier

Rüdesheim 

Die kahlen Stellen füllt der Computer

10.07.2010 - RÜDESHEIM

Von Barbara Dietel

BRÖMSERHOF Lichtbildprojektion ergänzt Wandmalereien von nationaler Bedeutung / Geringer Aufwand mit großer Wirkung



Konservieren und restaurieren, aber nicht rekonstruieren, so versteht Professorin Nicole Riedl von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim ihren Job im Brömserhof. Seit drei Jahren ist die Restauratorin mit Kolleginnen der Fachhochschule Köln und Studenten dabei, in diffiziler Kleinarbeit dem Betrachter wieder einen Gesamteindruck der außergewöhnlichen Wandmalereien in Ahnensaal und Hauskapelle des Brömserhofes zu verschaffen.

Viele Nächte war Michaela Janke, Diplomandin am Institut für Restaurierungswissenschaften der Fachhochschule Köln dabei, half, die Kasein-Übermalungen früherer Restaurationen in mühevoller Kleinarbeit zu entfernen und kleine Stellen, an denen von der Malerei nichts mehr übrig war, mit kaum sichtbaren Punkten zu retouchieren.

Da kam ihr eines Tages die Idee, mittels Bildprojektion fehlende Malereien zu ersetzen. Wie das nördliche Gewölbe im Ahnensaal einst aussah, das hatte der Kunstmaler Mogens Francesco Hendrik Ballin in einem Aquarell festgehalten, wusste die angehende Restauratorin. Im Stadtarchiv in Rüdesheim fotografierte sie das Bild ab und fand in Köln die Firma Coolux, die eine spezielle Software zur Lichtbildprojektion auf dreidimensionale Oberflächen entwickelt hat.

Denn ganz einfach ist es nicht, das abfotografierte Bild der mehrfach gekrümmten Fläche anzupassen. Das passiert über ein Raster, das über das Bild gelegt wird und so lange hin und her geschoben wird, bis sich das projizierte Bild im Randbereich direkt an die noch erhaltene Wandmalerei anfügt. Eine Stunde hat das beim ersten Mal gedauert. Aber jetzt ist die Einstellung im Kasten. Ein Beamer, ein Spiegel und ein Computer, das ist alles, was man nun braucht, um dem Betrachter einen Eindruck zu vermitteln, wie das Gewölbe einst ausgeschmückt war, jedenfalls zu der Zeit, als Ballin es abmalte. „Da waren die Malereien auch schon 350 Jahre alt, und ob der Kunstmaler den Farbton zu 100 Prozent getroffen hat, ist auch noch die Frage“, sagt Michaela Janke. Per Knopfdruck kann die Ergänzung der Malereien mittels Bildprojektion jederzeit wieder entfernt werden. Das Original bleibt unberührt.

Das Verfahren zur Rekonstruktion, das in Deutschland erstmalig im Brömserhof angewandt wird, wäre auch für weitere Projekte denkbar, zeigt der Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, Gerd Weiß großes Interesse an dieser Methode. Die allerdings immer voraussetzt, dass es Vorlagen gibt. „Wenn wir nicht wissen, was an der Stelle war, können wir auch nichts ergänzen“, so Weiß. Schließen könne man nur kleine Fehlstellen, wie etwa beim Bild von Jonas mit dem Wal, das im Ahnensaal kurzerhand an den Rhein verlegt wurde. Es ist schon weitgehend restauriert, getreu dem Motto von Nicole Riedl: „Der Betrachter soll den Gesamteindruck erfassen können, mehr nicht.“

Rund ein Drittel der Wandmalereien im Brömserhof sind bearbeitet, schätzt Christine Kenner, Leiterin der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes für Denkmalpflege. Es werde noch Jahre dauern, bis alles fertig ist. An den Kosten, rund 600 000 Euro beteiligt sich wegen der nationalen Bedeutung der Wandmalereien auch der Bund.

Ob die Lichtbildprojektion dauerhaft im Brömserhof installiert wird, darüber ist noch keine Entscheidung gefallen.

Per Bildprojektion (helle Fläche) werden die originalen Wandmalereien im Ahnensaal des Brömserhofs in Rüdesheim vervollständigt. 	Foto: RMB/Margielsky

Per Bildprojektion (helle Fläche) werden die originalen Wandmalereien im Ahnensaal des Brömserhofs in Rüdesheim vervollständigt. Foto: RMB/Margielsky

LEXIKON

Wandmalereien im Brömserhof: Die Wandmalereien im Adelshof der Familie Brömser gelten als eine der bedeutensten profanen Ausschmückungen der Renaissance in Deutschland. Die bis auf geringe Verluste erhaltenen Malereien in der Hauskapelle und im Ahnensaal stammen dreier Inschriften zufolge aus den Jahren 1558 und 1559. Sie werden dem Maler Hans Ritter, genannt Döring, einem Schüler von Lucas Cranach dem Älteren zugeschrieben. Hervorzuheben ist die Vielfalt der Darstellung, über religiöse Themen, stilisierte und naturalistische Pflanzen- und Tierdarstellungen, Proträts bis hin zu Phantasie- und Mythengestalten. Entdeckt und freigelegt wurden die Malereien in den Jahren 1898 bis 1900. Im 20. Jahrhundert wurden sie dreimal restauriert, was jedoch zu einer Schädigung der originalen Malereien führte. (Quelle: Landesamt für Denkmalpflege).

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