Von Thorsten Stötzer
Ruth Hülsken zieht die Klettverschlüsse ihrer Handschützer strammer. Kurz darüber umschließt das Band einer GPS-Uhr ihren Oberarm, Getränke und Sonnencreme stecken in einem leichten Rucksack. Gleich kann es losgehen zur siebten Auflage von Rhine on Skates. 135 Kilometer im Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal liegen vor den Inlineskatern, die sich in Rüdesheim auf dem Parkplatz auf der Lach sammeln.
Knapp 1.200 Sportler machen sich auf dem Weg, berichtet Organisator Friedel Henzler. Manche stammen von weit her, wie etwa Ruth Hülsken, die in München zuhause ist und extra nach Rüdesheim gereist ist. Ihr T-Shirt erinnert an eine Vier-Tage-Tour von Passau nach Wien. “Da hat man mich überredet, hierher mitzukommen, ich lass mich überraschen", erzählt sie.
Im Schnitt Tempo 20
Die Veranstaltung besitzt also mittlerweile große Strahlkraft. Routine hat sich ohnehin eingestellt, selbst beim Übersetzen mit der Lorcher Fähre. “Gestern haben wir noch ein Zelt gekauft, damit es ein bisschen ordentlicher aussieht", sagt Henzler und deutet auf die weißen Planen, unter denen sich die Nachzügler anmelden. Jemand trägt ein Schild mit der Aufschrift “Help desk" heran, darunter steht “die guten Feen" geschrieben.
Es geht allgemein entspannt zu. Bei Rhine on Skates handelt es sich schließlich um keinen Wettkampf. Im Pulk wird gefahren, bei im Schnitt Tempo 20. Viele Teilnehmer kennen sich bereits, die Lach bevölkert eine einträchtige Duz-Gesellschaft. Was Regeln angeht, so steht neben allgemeiner Rücksichtnahme die Helmpflicht im Vordergrund. 100 Ordner aus ganz Deutschland hat Henzler aufgeboten. Bei den Aktiven ist sogar das Ausland vertreten.
Aus Amsterdam sind Janneke Takken, Marieke Takken und Saskia Korcenoever dabei. Die drei jungen Niederländerinnen haben sich kleine Figürchen in Trachtenkostümen auf ihre Helme montiert. Gebastelt hat die Maskottchen eine Freundin. erklären sie. Auf Knopfdruck machen die Helm-Püppchen “fröhliche Musik für einen fröhlichen Tag". Vom Weltkulturerbe hat das Trio im Vorfeld übrigens noch nicht viel gehört.
Duz-Gesellschaft
Es fällt auf, dass offenbar der überwiegende Teil der Starter für Rhine on Skates in den Rheingau gefahren ist. Abends steigt auf der Lach nach glücklicher Rückkehr eine Party. Eher gemütlich soll es auch auf der Strecke zugehen: Eine Stunde Mittagspause in Koblenz, bei der es Nudeln gibt, steht etwa auf dem Tagesprogramm. Schon bevor es los geht, posieren die Skater für Erinnerungsfotos.
Stattlich groß ist die Gruppe der Clubs “Inline Hollenstedt" und “Windbrecher Hamburg". Mit 30 Leuten sind sie aus Norddeutschland gekommen, einige kennen sich schon aus in Rüdesheim. “Das ist immer super organisiert hier", lobt Kerstin Capellmann den Veranstalter, den Inlineskater-Treff “Wednesday Night Skating" (WNS) aus Mainz. Dazu scheint die Sonne bei eher moderaten Temperaturen. “Bestes Wetter", freuen sich die Skater.

