Selbst Sanitäter sind auf Rollen unterwegs
30.08.2010 - RÜDESHEIM
Von Thorsten Stötzer
SPEKTAKEL „Rhine on Skates“ lockt 1 000 Sportler aus halb Europa ins Mittelrheintal
Steve Hill und Neil Torrnes schwärmen förmlich, als sie auf dem Parkplatz auf der Lach in Rüdesheim warten: „Wir lieben es, das ist wirklich gut, so etwas gibt es nicht in England“. Insgesamt acht Rollen unter den Füßen lassen die beiden Zahnärzte aus London noch etwas länger und schlanker erscheinen, als sie ohnehin sind. Gleich starten sie zur achten Auflage von „Rhine on Skates“.
Allein aus dem Großraum London sind 25 Inline-Skater in Rüdesheim dabei, schätzen die beiden. 135 Kilometer weit werden sie durch das Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal rollen und am Abend zur Party auf die Lach zurückkehren. „Die Straßenoberflächen in Deutschland sind sehr gut“, lobt Hill und die deutschen Skater mag er ebenfalls, weil sie nett sind und fast alle Englisch sprechen.
Drei Tage bleibt er insgesamt im Rheingau und ansonsten „viel Wein und Bier trinken“. Insgesamt gehen wie im Vorjahr rund 1000 Freizeitsportler auf die Strecke, die sie inklusive Pausen in ungefähr elf Stunden bewältigen. In Lorch wird übergesetzt, zwei Mal füllen die Skater die Fähre, erklärt Friedel Henzler, der routinierte Hauptorganisator der Veranstaltung aus Mainz.
„Das ist schon eine Herausforderung, auch für Leute, die fit sind“, sagt er über die Distanz. Das wankelmütige Wetter und nasser Untergrund könnten das Kurvenfahren und Bremsen noch komplizierter machen. Viele Ordner und Helfer kümmern sich um die Sicherheit. Ganz spezifisch sind die „Sani-Skates“ vom DRK-Kreisverband München für ihren Dienst vorbereitet. Zu sechst rollen sie selbst im Feld mit und sind gut zu erkennen an ihrer Kleidung und kleinen Blaulichtern auf den Helmen. Peter Todt und seine Kollegen sind auch bei der „Blade-Night“ in München und dem „Ferrari-Cup“ in Modena im Einsatz. „Rhine-on-Skates“ halten sie jedoch für die „Königstour in Deutschland“. In der Regel seien die Teilnehmer aber gut trainiert und in ihrem Fahrstil diszipliniert. Konzentration sei aber nötig und allzu lange Blicke auf Burgen und Fluss nur nebenher möglich. Wie Todt erzählt, ist ihm vor zwei Jahren selbst mal ein Riss im Asphalt zum Verhängnis geworden, der Sturz verlief letztlich jedoch glimpflich. Helme sind Pflicht bei „Rhine on Skates“ und obendrein oft nett geschmückt: Sehr beliebt sind Bärchen, Tiger, Kamele oder andere kleine Stofftiere.
Die „Expresshühner“ aus Berlin und Brandenburg haben ihrem Namen gemäß weißes Frottee-Geflügel über ihre Helme drapiert. Die Gruppe kommt seit sechs Jahren zum Skaten an den Rhein und Thomas Kaufhold findet den Kurs „lang, schnell und landschaftlich schön“. Außerdem treffe er immer wieder nette Leute und hinterher „weiß man, was man getan hat“. Trotzdem dauert die Party auf der Lach bis Mitternacht.

