Von Thorsten Stötzer
RETTUNGSÜBUNG Spezialisten der Feuerwehr bergen Fahrgäste der Seilbahn in Assmannshausen
Es ist genau 9.33 Uhr, als eine Lautsprecherstimme über die mit nassem Schnee bedeckte Schneise unter der Assmannshäuser Sesselbahn hallt: "Achtung, Achtung! Wegen eines technischen Defekts kann die Bahn nicht mehr leer gefahren werden. Es erfolgt eine Bergung, bitte behalten Sie die Ruhe", informiert jemand von irgendwoher die Passagiere. Allerdings liegt kein Ernstfall vor - die Seilbahn nimmt den Saisonbetrieb erst am Samstag, 27. März offiziell auf.
150 Kräfte im Einsatz
Vielmehr befinden sich 26 Komparsen in zugiger Höhe. Sechs von ihnen sind verletzt, so schreibt es zumindest das Drehbuch zur Großübung vor, bei der die Arbeitsgruppe Seilbahnrettung (AGS) der Rüdesheimer Feuerwehr im Mittelpunkt des Geschehens steht. Insgesamt sind 150 Einsatzkräfte der Feuerwehren und der Rettungsdienste vor Ort. Dennoch müssen die vermeintlichen Opfer eine Weile ausharren. Immerhin haben sie wärmende Alufolien bekommen, die golden im fahlen Morgenlicht schimmern. Anders als in Rüdesheim sitzen die Fahrgäste der Assmannshäuser Seilbahn nicht in Gondeln, sondern schaukeln an der frischen Luft über 940 Meter zum Niederwald hinauf.
Die Aktiven der AGS klappen stationäre Aluminium-Leitern an einigen der insgesamt zehn Stützmasten aus und klettern hinauf. Sie setzen Rettungsfahrgeräte ein, mit denen sich einzelne Kameraden zu den Havarierten vorarbeiten. Mit Dreieckstüchern oder Schleifkorbtragen - das gilt für die angenommenen Verletzten - bringen sie die Leute sicher aus maximal acht Metern Höhe zu Boden. Soweit gleicht die Taktik dem Vorgehen an der Rüdesheimer Seilbahn, wo es 2007 eine Großübung gab. Allerdings bestehen zwischen beiden Einsatzgebieten gravierende Unterschiede, weshalb in Assmannshausen Zusatzgeräte benötigt werden, erklärt Andreas Schmidt von der AGS.
Steiler ist das Gelände im kleineren Stadtteil, insgesamt gelte die Bahn dort als schwierig zu betreuen für die Rettungskräfte. Das liegt einerseits an der Topografie: Der Hang ist nicht nur steil, sondern neigt sich zudem auch seitlich. Geröll, Schotter und Weißdornbüsche unter den Seilen machen die Lage nicht einfacher, erläutert Schmidt.
Stufen von halbem Meter
"Es gibt Stufen, die einen halben Meter ausmachen", ergänzt er, während die ersten Helfer mit ihren Bergsteiger-Helmen in der Luft hantieren und unten Bodengruppen Seile spannen. Außerdem ist der Zugang kompliziert - anders als in Rüdesheim, wo gut asphaltierte Wingertswege die Trasse kreuzen. Wie Schmidt sagt, sehen die Alarmpläne vor, dort bis zu drei Drehleitern einzusetzen. In Assmannshausen könne dagegen keine einzige heran rangiert werden.
An den letzten Unfall am Sessellift erinnert sich Schmidt noch: In den 70er Jahren hatte bei anderen technischen Voraussetzungen ein Blitzschlag das Seil aus der Führung springen lassen.

