Von Thorsten Stötzer
LESEFEST 400 Kinder beschäftigen sich auf dem Niederwald mit Büchern und wilden Tieren
Eine Gruppe Grundschüler hat sich um Bärbel Oftring und ihr Buch "Bei den Wölfen" versammelt. Zur Begrüßung dürfen alle erst mal losheulen - aus der Klasse ist ein Rudel geworden. Dann beginnt die Diplom-Biologin und Sachbuch-Autorin vorzulesen. Wölfe gehen in eine Höhle, wenn sie Nachwuchs bekommen und nicht in ein Krankenhaus, erklärt sie. Die Kinder hören aufmerksam zu und sitzen dabei unter freiem Himmel. "Wölfe ums Schloss" lautet schließlich das Motto der Veranstaltung im Rahmen des mehrwöchigen Lesefestes.
Insgesamt 17 Stationen befinden sich im Wald rund um das Jagdschloss Niederwald, besetzt sind sie mit Erzieherinnen, Lehrerinnen, Buchhändlerinnen, Schülern der Louise-Schröder-Fachschule Wiesbaden, EBS-Studenten oder einem Steuerberater. Gruppenweise erkunden 400 Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren die Stationen. Es gibt viel zu basteln, zu malen und anzufassen und Bücher sind natürlich nie weit. Mal hören die Jungen und Mädchen Geschichten wie die vom "netten Wölfchen" und gestalten sich danach eine Verkleidung. An zwei anderen Klapptischen ist eine Miniaturlandschaft aus Eicheln, Moos und Laub entstanden, die den Hintergrund für ein Rollenspiel mit kleinen Holzfigürchen abgibt.
"Es ist erstaunlich, wie konzentriert die Kinder noch nach Stunden sind", findet Martina Engel, als sie eine Reihe Grundschüler beobachtet, die auf einem Baumstamm hocken. Als Referentin hat sie zusammen mit Petra Ulges von der Stadtverwaltung Rüdesheim und Sabine Stemmler vom "Netzwerk Leseförderung Rheingau-Taunus", dem Träger des Lesefestes, "Wölfe ums Schloss" organisiert. Bürgermeister Volker Mosler (CDU) betont, dass fast alles gesponsert wurde. Für Stemmler steckt "viel Herzblut drin" im Aktionstag und den Niederwald nennt die Mitbegründerin des Bundesverbandes Leseförderung einen "magischen Ort" - gerade recht, um Wölfe heulen zu lassen. Zu den zottigen Tieren existiert außerdem eine reiche Literatur, vom Märchen- bis zum Sachbuch.
Das Ziel ist klar: Kinder sollen früh "positive Kontakte" mit Büchern erleben, damit Sprachdefizite ausbleiben und die Lesekompetenz sich entwickelt. Das Vorlesen steht auf dem Niederwald im Mittelpunkt. Wölfe seien gut geeignet, um auch "die coolen Jungs" zu faszinieren, erläutern Engel und Stemmler, denn "denen brauchen wir mit Prinzessinnen nicht zu kommen".
Die Jägerschaft ist mit ihrer Wald- und Wildschule zu Gast, ebenso ist die "Gesellschaft zum Schutz der Wölfe" vertreten. Rolf Jäger engagiert sich in ihr und hat den heimlichen Star des Tages mitgebracht. "Daquero" heißt der Pyrenäen-Berghund, der Wölfe vertreibt, aber nicht tötet und sich streicheln lässt. "Der kriegt bestimmt viel Futter", meint ein Junge angesichts von 65 Kilo Hundegewicht.


