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Wiesbadener Kurier

 

Das "Gruscheln" im Internet erfunden

14.03.2008 - OESTRICH

Von Birgit Weidner

StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani berichtet in der EBS über Wachstumsraten von täglich sechs Prozent

Wie wird man am schnellsten Millionär? Für den Gründer der erfolgreichsten deutschen Internet-Studentenplattform StudiVZ (Studierendenverzeichnis), Ehssan Dariani, sei dies keine große Sache gewesen, wie Studenten der European Business School in Oestrich Darianis Vortrag zum Unternehmertum entnahmen. Er könne niemanden über sich ertragen und neige zum Narzissmus, gab der 26-jährige Deutsche iranischer Abstammung seine persönlichen Vorraussetzungen für die schon immer angestrebte Selbstständigkeit preis. "Im Oktober 2005", begann der smarte Vorzeige-Unternehmer und Enfant Terrible des deutschen Web, "gründete ich in einem Internetcafé StudiVZ. Es ergänzt E-Mail und SMS, ist laut IWV-Ranking die meist frequentierte Internetseite weltweit und hat über fünf Millionen registrierte Nutzer." Zeitweise habe er Wachstumsraten von vier bis sechs Prozent täglich verzeichnet. In der Gründungsphase habe Dariani viel ausprobiert und Bekannte genervt, die als Versuchskaninchen herhalten mussten. Bis Anfang 2006 habe er nach eigener Aussage noch jeden Nutzer persönlich angeschrieben, mit dem Hinweis, Freunde zum Mitmachen zu bewegen. Aufmerksamkeit erregte Dariani mit dem Kunstwort "gruscheln", von dem, und das sei Absicht, so keiner richtig wüsste, was es bedeute. "Die Leute sind neugierig, fragen andere, was das bedeutet, und schon entsteht ein Dialog. Das ist das Tolle", meint Dariani. Auch Nutzaspekte seien ganz wichtig. Bei StudiVZ seien dies beispielsweise die "Gammelei" (Ablenkung von der Arbeit) und das Dating. Letzteres sei wohl die Hauptsache, so der junge Mann, der seinen Narzissmus auffällig und konstant pflegte. "Hier gibt es doch bestimmt keinen", war er sich sicher, "der heute noch nicht an Sex gedacht hat". Amüsement und Kopfschütteln unter den Business-Studenten. Jetzt schien Dariani bei einem seiner Lieblingsthemen zu sein. Die Kontaktaufnahme über StudiVZ sei sehr einfach, sagte er. Auch bei der Unternehmens-Farbwahl (rot-pink) spiele dies eine große Rolle. Mädchen fühlten sich von dieser Farbe angezogen, die Jungs kämen dann automatisch. Diese Farbe erinnere zudem sehr stark an das Telekom-Pink. Viele würden diesen Farben-Trick anwenden, um durch die Klage eines Unternehmensriesen in die Schlagzeilen zu kommen. "Es kam aber keine Klage, bei 10000 Anmeldungen täglich ging es mittlerweile auch ohne", so Dariani. Vorwürfe von Datenschützern wiegelte er ab. "Deutschland habe mit die schärfsten Datenschutzbedingungen. Der Datenschutzbeauftragte kam im Jahr 2006. Gut, Sicherheitslücken gab es, Spam-Gefahr auch." Internas wolle er nicht preisgeben. Den Hinweis, Datenschutzklagen und der Datenschutz an sich seien keine Internas, ließ er an sich abprallen. Dariani schied im März 2007 als Geschäftsführer aus und verdient sein Geld inzwischen als Investor.


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