Plakataktion von Kinderschutzbund und Präventionsrat richtet sich gegen Gewaltdarstellung per Internet und Mobiltelefon
tst. Blut läuft aus einem Handy. Aus einem anderen Mobiltelefon greift eine Klaue nach dem jungen Besitzer des Geräts, um ihn zu würgen. Sehr symbolstark sind einige der Plakate ausgefallen, die der Leistungskurs Kunst des Rheingau-Gymnasiums und der St.-Ursula-Schule über "Gewaltdarstellungen und Pornographie in Internet und Handy" entworfen hat. Die künstlerische Aktion mit dem ernsten Hintergrund hat der Kinderschutzbund Rheingau initiiert. Bei einer Präsentation im Schloss Vollrads begutachten nun Politiker, Polizeibeamte sowie Vertreter von Präventionsräten, Schulen und der Jugendpflege, was die jungen Leute aus dem Kurs der Lehrerin Angela Guthannß geschaffen haben und prämieren die Plakate. Die Schüler halten offenbar per Handy verbreitete Gewaltvideos für das größte Problem, denn diesem Komplex haben sie ausschließlich ihre Entwürfe gewidmet. Oft sind Handy-Displays darauf zu sehen, zusammen mit gehobenen Fäusten und schreienden Mündern. Die meisten der 17 bis 20 Jahre alten Gymnasiasten haben aber nicht auf Schockwirkung gesetzt. Vielmehr tauchen immer in Fragen verpackte Appelle auf. "Wissen Sie, was ihre Kinder wirklich machen?", "... und was speichert Ihr Kind so auf seinem Handy?" oder einfach "Kennst Du dein Kind?" ist auf den Plakaten zu lesen. Dass die Eltern bei der Prävention einbezogen werden, hält auch der Landesjugendkoordinator Andreas Arnemann vom hessischen LKA für besonders wichtig. Väter und Mütter sollten sich über die technischen Möglichkeiten der Handys informieren, die ihre Kinder nutzen, und mit dem Nachwuchs über die Gefahren und Folgen reden. 80 Prozent der Heranwachsenden, so schätzt Arnemann, sei zumindest bekannt, was er den "Phänomenbereich" rund um "Snuff-Video" und "Happy-Slapping" nennt. "Snuff" lässt sich mit Auslöschen übersetzen, diese Videos stammen aus dem Internet und zeigen zum Beispiel Aufnahmen von Hinrichtungen. "Happy Slapping" bedeutet so viel wie "fröhliches Schlagen". Bei den per Mobiltelefon verbreiteten Gewaltfilmen sind Jugendliche zugleich Opfer und Konsumenten und manchmal auch Akteure, die brutale Szenen aufnehmen. "Das wird wie eine Mutprobe angesehen, so wie früher das Kaugummi-Klauen", erklärt der Polizeiexperte. "Solche Videos haben nichts mit Mutproben zu tun und sind kein Spaß", findet Jean-Dominique Risch, der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Rheingau. Die im Schloss Vollrads vorgestellten Plakate sollen nun aufklären und warnen. Die Werke von Roman Bibo, Jasmin Sommer, Marc-Andreas Berger und Katharina Wagner hat die Jury als die besten ausgewählt. Ihre Arbeiten werden nun 100-fach gedruckt, die Auflage der 15 anderen Bilder soll halb so stark sein. Als komplette Ausstellung und auch einzeln sollen die Motive im Rheingau dann für Aufmerksamkeit sorgen. Am Dienstag, 31. Oktober, und Mittwoch, 15. November, will der Kinderschutzbund zudem jeweils um 19 Uhr Informationsabende im Bürgerzentrum Oestrich zu dem Thema veranstalten. Beim ersten Termin ist ein Experte von der Uni Mainz zu Gast, beim zweiten sprechen Beamte des Landeskriminalamtes.

