08. Februar 2012 19:38 Uhr
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Frauenquote in Kommunalpolitik immer noch nicht erfüllt

12.03.2010

DISKUSSION Grüne informieren über Einstieg in öffentliches Engagement

RHEINGAU-TAUNUS (dre). Eine Premiere war die Diskussionsrunde "Stühle frei für Frauen! - Einstiegswege und Erfahrungen von Frauen in der Politik" in der Stadthalle. Die Landtagsfraktion Bündnis 90/ Grüne "machte noch nie in diesem Kreis eine Veranstaltung, die sich gezielt an Frauen wendet", sagte Gastgeberin Miriam Deppe. Hintergrund des Forums war, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu motivieren und zu erkunden, welche Bedingungen ein Engagement erleichtern würden.

"In unserer Fraktion bin ich die einzige Frau, da muss sich was bewegen", begrüßte eine Idsteiner Stadtverordnete der Grünen die Initiative ebenso wie kommunalpolitisch aktive Frauen der CDU, SPD oder FWG. "Den Vogel schießt die FDP in Hessen ab: Sie hat keine einzige Frau in der Landtagsfraktion", berichtete Maisch. Wie in der "politischen Führungsriege" sei quer durch alle Parteien die "Mehrzahl der Hauptamtlichen auf kommunaler Ebene männlich". Sogar die Grünen erfüllten ihre "Frauenquote" bei nur 40 Prozent weiblichen Mitgliedern gerade in kleineren Kommunen oft nicht. "Jenseits von Land- und Bundestag ist es schwierig, Frauen zu finden, die in kommunale Parlamente gehen", sagte die frauenpolitische Sprecherin der Landes-Grünen, Nicole Maisch. Dabei sei hier ihr Engagement besonders wichtig, "weil auf kommunaler Ebene die frauenpolitischen Themen verhandelt werden".

Die Ehefrau fehlt

Haupthindernis für viele Frauen sei ihr Zeitbudget. Nicht nur, weil sie in Beruf und/oder Familie eingespannt sind, sondern weil engagierte Frauen oft bereits vielfältig, etwa in Kirche, Schule und Naturschutz, aktiv sind. Das belegten zahlreiche Erfahrungsberichte von Teilnehmerinnen. Für ein weiteres Engagement blieben da oft "keine Kapazitäten", zumal "wir keine Ehefrauen haben, die uns den Rücken frei halten", waren sich die Frauen einig.

Hinderlich sei zudem, "dass sich Frauen fast immer unterschätzen" und anders als Männer, "alles hundertprozentig perfekt machen wollen" und "an der Sache orientiert diskutieren".

Lösungen sahen die Frauen zum Beispiel in anderen Strukturen wie Sitzungen mit Kinderbetreuung am Nachmittag, der Doppelbesetzung von Ämtern in den Gremien, der sachlich und damit zeitlich konzentrierten Sitzungsorganisation, der frühen politischen Akquise der Mädchen etwa an Schulen, der Motivation von Frauen und generell jungen Leuten über konkrete Themen, Veranstaltungen und Netzwerken für Frauen. Wer wie die Oestrich-Winkeler Stadtverordnete mit drei Kindern bereits kommunalpolitisch aktiv sei, müsse noch deutlicher kommunizieren, dass ein Engagement und die Vertretung von Fraueninteressen in der Politik möglich und sinnvoll sei, wenn man "nicht immer 100 Prozent Leistung dafür bringen kann".

Wie brisant das Thema und wie unterrepräsentiert die Frau in der Kommunalpolitik ist, belegte die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Ingrid Reichbauer mit aktuellen Zahlen aus dem Kreistag: Von 24 Abgeordneten der CDU und 21 der SPD seien jeweils sechs Frauen, bei sechs FDP- und fünf FWG-Abgeordneten gebe es je eine Frau.

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