Geld im Klingelbeutel reicht nicht
23.11.2010 - KIEDRICH
Von Mirja Pütz
VALENTINUSKIRCHE Kirchenbauverein legt sich ins Zeug, um Spenden für Restaurierung aufzubringen
Vor Kurzem haben Denkmalschutzbehörde und Bistum ihre Kalkulationen für die Restaurierung der St. Valentinuskirche vorgestellt. Die gute Nachricht ist, dass Aufwand und Kosten wohl unter dem ursprünglich erwarteten Niveau bleiben werden. Die schlechte Nachricht ist, dass an Pfarrgemeinde und Bistum auch im günstigsten Fall noch rund 1,8 Millionen Euro hängen bleiben. Das ist ein Drittel der veranschlagten Kosten von 5,4 Millionen Euro. Die anderen zwei Drittel würden von Bund und Land übernommen.
Voraussetzung ist allerdings, dass der Bund der Valentinuskirche den Rang eines „Monumentes von nationaler Bedeutung“ zuspricht. Die Vorsitzende des Kirchenbauvereins Wilma Scholl und ihr Stellvertreter Werner Kremer haben an einer positiven Entscheidung des Bundes keinen Zweifel. Für beide steht allerdings auch fest, dass es sowohl dem Bistum, als auch der Pfarrgemeinde schwerfallen wird, ihren Anteil aufzubringen. „Dieses Geld wird nie im Klingelbeutel zu finden sein und wir sind eine kleine Gemeinde“, sagt Wilma Scholl und deshalb werde der Verein auch weiterhin keine Gelegenheit zum Spendensammeln auslassen.
Petra Müller-Klepper musste als leidenschaftliche Rheingauerin gar nicht erst lange von den Vorzügen der St. Valentinuskirche überzeugt werden, erinnert sich Wilma Scholl. Im Namen des Sozialministeriums überreichte die Staatssekretärin nach dem Hochamt am vergangenen Sonntag einen Scheck über 2000 Euro an die Vorsitzende des Kirchenbauvereins. „Wer ein solches Juwel beherbergt, hat eine besondere Verpflichtung“, sagt Müller-Klepper. Der Kirchenbauverein stelle sich dieser Verpflichtung und „trägt damit das Staffelholz unserer Vorfahren weiter, um dieses Meisterwerk zur Ehre Gottes zu pflegen und zukunftssicher zu machen“.
Die Spende kommt der Erneuerung der beiden Schlagwerke zugute. Die Arbeiten sind bereits erledigt und mit den Spendengeldern „kann jetzt auch das Konto der Kirchengemeinde ausgeglichen werden“, sagt Werner Kremer. Wie alle Spender bekam auch Petra Müller-Klepper eine komplette Dokumentation der Reparaturarbeiten, inklusive Kopie der Handwerkerrechnung mit auf den Weg. „Unsere Spender werden über jeden Schritt informiert“, erklärt die Vorsitzende „und jeder kann sehen, dass das Geld auch in Kiedrich bleibt“. Egal welche Umstrukturierungen auf den pastoralen Raum zukämen.
Der Verein setzt auf Transparenz und auf die persönliche Beziehung der Kiedricher zu ihrer Kirche. Jeder könne die Restaurierung seines „Lieblingsheiligen“ oder eines Fensterstückes direkt sponsern. Die Entscheidung liege allein bei den Spendern. Bei allgemeinen Zuwendungen und den Erlösen aus Spendenaktionen liegt die Entscheidung beim Vorstand. „Wir sind bewusst völlig unabhängig“, betont Wilma Scholl, „Bistum oder Verwaltungsrat können nicht über das Geld verfügen“.
Die Vorsitzende arbeitet selbst gerne mit einem Ziel vor Augen. Die Restaurierung des Tympanon und des Kreuzes in Richtung Kloster Eberbach stehen als Nächstes auf der Wunschliste. Wilma Scholls ganz persönliches Ziel ist die aktive Mitgliederwerbung. Am 20. Dezember ist der Verein ein Jahr alt „und wenn wir bis dahin unser 129. Mitglied aufnehmen können, hätten wir uns verdreifacht“.

