Von Thorsten Stötzer
CAMPUS Hochschule in Geisenheim begegnet „atmosphärischen Störungen“ selbstbewusst
So viele Jungakademiker wie noch nie zuvor haben in Geisenheim ihre Zeugnisse und Urkunden erhalten. Das jetzt abgeschlossene Sommersemester bildet mit 169 Absolventen die Rekordmarke. Nicht nur deshalb äußerten sich die Verantwortlichen zuversichtlich: „Der Campus wächst nach wie vor“, sagte Dekan Otmar Löhnertz und die Marke von 1000 Studierenden werde „klar überschritten“.
Den dennoch günstigen Betreuungsschlüssel hob Detlev Reymann hervor, der Präsident der Hochschule RheinMain, zu der der Fachbereich Geisenheim gehört. Demnach kommen dort 40 Studierende auf einen Dozenten, während dasVerhältnis in der Goethe-Universität in Frankfurt 1:80 betrage. Von einer „nationalen Einrichtung“ sprach Helmut Dietrich, der stellvertretende Direktor der Forschungsanstalt.
Als „gut aufgestellt“ bezeichnete Löhnertz zusammenfassend die Rheingauer Hochschule. Der Gedanke, über das Studium hinaus Netzwerke zu pflegen, prägte außerdem die Reden bei der Absolventenfeier. In diesem Sinne berichtete Robert Lönarz als Präsident des Alumni-Verbandes, dass auch die Vereinigung der ehemaligen Geisenheimer kontinuierlich größer werde.
Für fachliche Diskussion
Wohl aufgrund dieses Selbstbewusstseins fielen die Aussagen über den umstrittenen rheinland-pfälzischen Weinbau-Studiengang knapp aus, obwohl die öffentliche Diskussion weiterhin andauert. Über „atmosphärische Störungen von der anderen Rheinseite“,
räsonierte der Dekan nur kurz bei hochsommerlichem Wetter im Park des Campus-Geländes. Dietrich wollte gar als gebürtiger Saarländer und nach 29 Jahren Forschung in Geisenheim „nicht die Politik der Pfälzer kommentieren“. „Nicht notwendig“ nannte Lönarz die Kündigung des Staatsvertrages und den Weinbau-Studiengang in Neustadt an der Weinstraße. Er plädierte jedoch dafür, „eine „fachliche Diskussion in unserer Branche mutig zu unterstützen“.
Reymann richtete seine Kritik an den „hochschulpolitischen Rahmenbedingungen“ an die eigene Landesregierung und nicht an die benachbarte. „Ich finde es besonders bedauerlich, dass in Hessen an der Bildung gespart wird“, erklärte er. Von 2011 an müsse die Hochschule RheinMain mit einem Defizit von zwei Millionen Euro rechnen. Im schlimmsten Fall könne sich der Fehlbedarf bis 2015 auf 3,7 Millionen Euro erhöhen. Das entspreche der finanziellen Größenordnung, die ein ganzer Fachbereich koste, erläuterte Reymann. „Zwangsläufig“ werde die Qualität der Ausbildung nachlassen. Dass zu gleicher Zeit ein hoher Landeszuschuss für Studienplätze der privaten European Business School in Wiesbaden bereit stehe, verurteilte der Hochschul-Präsident entschieden und prangerte ein „Missverhältnis“ an.

