Von Thorsten Stötzer
Andreas Blank gewinnt mit einer Arbeit zum Gärverlauf einen erstmals vergebenen Preis
Unter Andreas Blanks Anzugsärmeln schauen schwarze Finger hervor. Der Rotwein hat sie verfärbt. Filtern und abfüllen stehen derzeit auf dem Programm bei der Fellbacher Winzergenossenschaft, wo er als zweiter Kellermeister beschäftigt ist. Das bleibt nicht ohne Spuren. In Geisenheim stand Blank kürzlich aber wegen einer Leistung im Blickpunkt, die ihn eher als Theoretiker auszuweisen scheint. Die Rheingauer Volksbank hat dort einen mit 1000 Euro dotierten Preis für überdurchschnittliche Leistungen im Studium der Oenologie und des Weinbaus gestiftet. Andreas Blank hat ihn als erster erhalten, die Volksbank-Vorstände Paul Meuer und Stefan Eckhardt überreichten ihm eine Urkunde dazu. "Gärmodellierung und Gärprognose: Der Weg zur besseren Gärsteuerung" lautete der Titel der Diplom-Arbeit des 25-Jährigen. Eine Themenstellung, die "sehr theoretisch daherkommt", bemerkte Klaus Schaller, der Direktor der Forschungsanstalt Geisenheim, in seiner Laudatio, um zugleich auf den Nutzen für Forschung und Praxis hinzuweisen.In der Fachwelt gebe es nichts, was noch so viel Unbekanntes in sich berge und so kontrovers diskutiert werde wie der Zuckerabbau, also die Gärung. Sogar von der "Black Box" werde gesprochen. Blank habe nun mithilfe von Differentialgleichungen eine mathematische Methode gefunden, um den Gärverlauf abschätzen zu können. Schaller zitierte aus dem Gutachten seines Professoren-Kollegen Kai Velten, der seinem Diplomanden attestiert, eines der "weltweit fortgeschrittensten zwei bis drei mathematischen Modelle" zu dieser Frage vorgelegt zu haben. Die Arbeit besitze eine Qualität, die sie in die Nähe einer Dissertation rücke. Blank hat seine Berechnungen auf Bezugsgrößen von 300 bis 40 000 Litern ausgerichtet. Somit könnten sie sowohl für Feierabendwinzer wie für Großerzeuger einmal relevant werden. Die Anregung dafür hat er bei einem Praktikum in seiner württembergischen Heimat erhalten. Im Kreis Ludwigsburg ist der Preisgewinner im sieben Hektar großen Weinbaubetrieb seiner Eltern aufgewachsen.Das Studium hat ihn dann nach Geisenheim geführt, ein Jahr in Kalifornien ergänzte die Ausbildung. Ob er sich weiterhin als Kellermeister schwarze Finger holt oder wie bei der Feierstunde angeregt in die Wissenschaft wechselt, weiß der junge Mann noch nicht genau: "Jetzt möchte ich erst mal Praxiserfahrung sammeln." Bei der Feier gingen die Redner auch auf die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaus für den Rheingau ein und wünschten sich, dass er auch dank der Forschung weiter prosperiert. In diesem Sinn soll der erstmals vergebene Preis wirken. 100 Arbeiten lagen bei der Premiere vor, berichtete Fachbereichs-Dekan Otmar Löhnertz. Angesichts von Blanks Leistung sei es aber nicht schwer gefallen, einen Preisträger zu bestimmen.

