Samstag, 11. Februar 2012 18:43 Uhr
URL: http://www.wiesbadener-kurier.de/region/rheingau/geisenheim/4912999.htm

Wiesbadener Kurier

Geisenheim 

Sechs Länder beteiligt an Produktion einer Jeans

30.10.2008 - GEISENHEIM

Von Claudia Kroll-Kubin

Stadtrundgang der besonderen Art anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Lokalen Agendagruppe

GEISENHEIM Einen Stadtrundgang der etwas anderen Art, haben Interessierte auf Einladung der lokalen Agenda-Gruppe erlebt. Unter dem Motto "Global denken - lokal handeln" wurde für ein verantwortliches Verhalten gegenüber der Umwelt geworben.

Dass ein Stadtrundgang nicht nur historische Gebäude zum Ziel haben muss, zeigte Agenda-Mitglied Joachim Seubert. Wie viele weltweite Produktionswege es beispielsweise bedarf, um eine Jeans herzustellen und auch wieder zu entsorgen, erläuterte Seubert bei vor einem Bekleidungsgeschäft. Jeder der Teilnehmer bekam eine Fahne des an der Jeans-Produktion beteiligten Landes in die Hand, die über Schnüre mit all den anderen verbunden war und so das gesamte, weltweite Produktionsgeflecht plastisch zeigte. Die Baumwolle für die Jeansherstellung kommt aus Kasachstan, in der Türkei wird sie zu Garn gesponnen, das Garn in Tunesien gefärbt und schließlich in Taiwan zum Stoff gewebt. Er wird in Frankreich mit chinesischen Farbstoffen weiterbehandelt und mit Bimsstein aus Griechenland bearbeitet. Zu kaufen gibt es die fertige Jeans dann etwa in Deutschland. Die abgelegte Jeans landet im Altkleidercontainer und wandert von dort nach Rotterdam. Per Schiff und Laster gelangt sie nach Afrika. Dort gelangt sie noch einmal in den Verkauf. Mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich im sorgsamen Umgang mit Konsumgütern schulen, sei ein Anliegen der Arbeitsgruppe Lokale Agenda 21 in Geisenheim, erklärte Seubert. An der nächsten Stadion, einem Supermarkt, sprach der Landschaftsplaner und Grünen-Stadtverordnete das Konsumverhalten am Beispiel des Tomatenanbaus in Spanien an und verwies auf Bewässerungsschwierigkeiten, Pestizidbelastung und Folieneinsatz in riesigen Gewächshausanlagen. Seubert ordnete diese Produktion in den Zusammenhang "Kaufen oder selbst anbauen" sowie den Aspekt der CO2-Belastung ein, gab aber auch die Faktoren Zeit und Geld zu bedenken. Als Ergänzung nannte er ein Beispiel aus der Fleischproduktion mit ihrem hohen Energieverbrauch. Am Rheinufer wies Seubert auf Umweltaspekte der modernen Schifffahrt hin, die mit immer größer werdenden Containerschiffen zwar große Mengen transportiere, aber breitere und tiefere Flussstraßen benötige. Am Beispiel der seit einigen Jahren am Rheinufer zu findenden Chinesischen Körbchenmuschel veranschaulichte er den ökologischen Wandel: "Nicht alles, was hier einheimisch aussieht, ist einheimisch." Darüber hinaus seien auch Pflanzen wie die gelb blühende Süßkartoffel aus Nordamerika mittlerweile an Flüssen in Europa gut verbreitet, wie auch das indische Springkraut, das ursprünglich aus dem Himalaya stammt. Mit dieser zum Nachdenken anregenden, ungewöhnlichen Stadtführung durch Geisenheim möchte Seubert für den Prozess einer nachhaltigen Entwicklung der Stadt sensibilisieren. "Mitmachen", heißt es seit nunmehr zehn Jahren. Es gelte, die Lebensqualität der Menschen zu steigern, ohne die natürlichen Ressourcen zu zerstören und zukünftige Generationen zu benachteiligen. Beim nächsten Solarstammtisch am 10. November um 19.30 Uhr im Gasthof Henn, Behlstraße 14, spricht Professor Hans-Peter Schwarz, Forschungsanstalt Geisenheim, über alternative Energien für Weinbaubetriebe.


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