Web 2.0 trifft auf Industrieromantik
30.07.2010 - GEISENHEIM
Von Thorsten Stötzer
WEINGUT Hans-Joachim Klose hat einen kleinen Betrieb in der ehemaligen Maschinenfabrik Waas eingerichtet
Trotz der Aufräumarbeiten wirkt die ehemalige Maschinenfabrik Valentin Waas in Geisenheim ein wenig verwunschen. Die Backsteinfassade ist ergraut, Scheinakazien haben sich breitgemacht und blecherne Briefkästen haben lange keine Postkarte mehr gesehen. Zwei Räume nun beherbergen Kelter, Edelstahltanks und zwei Holzfässer, seit Hans-Joachim Klose dort ein kleines Weingut eingerichtet hat.
„werk2“ heißt sein Projekt. Der Schriftzug ist in silbergrau und orange auf dem rustikalen Holztor zu lesen und bildet in seinem modernen Design einen klaren Kontrast in diesem Umfeld. Die Zahl 2 spannt den Bogen zum Web 2.0, denn der Hobby-Winzer arbeitet hauptberuflich als IT-Spezialist. Seine Weine hat er nach Programmiersprachen und verwandten Begriffen benannt.
„Smalltalk“ und „Pearl“
So trägt sein Basis-Riesling den Namen „SmallTalk“; hinter „DreamWeaver“ und „RainBow“ verbergen sich ebenso Weißweine, „Pearl“ steht auf dem Etikett des Sektes. Klose ist aber nicht nur Avantgardist, sondern zugleich bodenständig. Er stammt aus Hattenheim, wo seine Großeltern ein Weingut besaßen, ein Großonkel zählte zu den Gründern der örtlichen Winzergenossenschaft. Der 1965 geborene Hobby-Winzer wuchs somit mit vielen Traditionen auf. Später hob er mit
Ingo Witt hob das „Weinwerk“ in Rüdesheim aus der Taufe. Zuletzt erzeugten beide 5000 Flaschen Wein im Jahr. Klose ging dann eigene Wege, als er 2008 in ein Haus in der Behlstraße in Geisenheim zog.
Sein „weinwerk2“ entstand in der Maschinenfabrik Waas, die heute der Innenarchitektin und Lichtdesignerin Andrea Nusser gehört. Die alten Firmengebäude liegen in der Winkeler Straße unweit der Berufsschule. Von 1864 bis 1964 fertigten dort Arbeiter allerlei Geräte für die Obst- und Gemüseverwertung. Dörren waren offenbar ein großer Renner.
Mit anderen Maschinen konnte man Obst schälen, Gemüse schneiden, Früchte entkernen und Rüben waschen. Im Ersten Weltkrieg machte das Geisenheimer Unternehmen Geschäfte mit fahrbaren Feldbacköfen.
Klose hat die Fabrik aber nicht nur als Betriebsstätte wieder belebt. Zugleich ist sie für ihn ein Treffpunkt. Im Juni hat er daher zehn Tage langzu einer Straußwirtschaft eingeladen mit regionalen Produkten vom „Feuerwehrbraten“ bis zu Wild und Spargel. Eine „Winterzeit“ gab es zuvor. Gerne will Klose eine „Werkslounge“ mit Musik ins Leben rufen, denn „Wein ist Kultur und ein tolles Medium, um Leute zusammen zu bringen“.
Beim Wein setzt er auf Riesling, die Rheingauer Renommierrebe. Wenn es um die Qualität geht, will Klose selbst Hand anlegen, andere Arbeiten rund um Abfüllung, Maschineneinsatz und Pflanzenschutz vergibt er nach außen. Bei 5,50 Euro für die Flasche „SmallTalk“ beginnt die Preisspanne. Bei der Vermarktung spielen Vinotheken und Volksfeste ebenso eine Rolle wie die Online-Netzwerke Twitter und Facebook.

