Acht Frauen und ein Mord
11.05.2010 - GEISENHEIM
Von Christina Schultz
THEATER Junge Schauspielerinnen der St. Ursulaschule brillieren mit neuem Stück „Femmes Fatales“
Seit Sommer 2009 probten die Darstellerinnen der Theater-AG an der St. Ursula-Schule das Stück „Femmes Fatales“, eine Adaption der Krimikomödie „8 Frauen“ von Robert Thomas. Das ist eine ganz besondere Leistung, denn die jungen Leute stehen mitten in ihrer Abiturprüfung und haben damit eigentlich schon genug zu tun. Neben Pauken für die schriftlichen und mündlichen Prüfungen ging es in der heißen Phase vor den Aufführungen am vergangenen Wochenende noch um verstärktes Textlernen und Theaterproben. „Was unsere Mädels hier geleistet haben ist ernorm. Mit großem Enthusiasmus gingen sie an das Projekt heran und haben es super gemeistert,“ lobten die Lehrerinnen Marion Horaczek und Brigitte Lorenz, die als Leiterinnen der Theater AG fungieren und selbst viel Theatererfahrung mitbringen.
Darstellendes Spiel
Die Idee für die Produktion hatten Mitglieder des Deutsch-Leistungskurses, die nicht nur an der AG teilnahmen, sondern zusätzlich in den neu an der Schule eingerichteten Kursen für Darstellendes Spiel mitwirken. Dieses Fach ist eine Alternative zu Kunst und Musik und kann auch ab dem Schuljahr 2011 als Prüfungsfach im Abi gewählt werden. Diese neue und moderne Form des Theaterunterrichts wurde auch in die Arbeit der Theater AG mit eingebracht, die den jungen Mitspielern der Oberstufe ganz neue Ausdrucksmöglichkeiten bietet und die individuelle Kreativität fördern soll. Die Lehrerinnen für Sport, Deutsch und Englisch haben schon viele Stücke inszeniert, doch dass ihre Schülerinnen selbst an sie herangetreten sind mit dem Wunsch, Theater zu spielen, freute Marion Horaczek und Brigitte Lorenz am meisten:
„Da es sich bei unseren Schauspielern fast nur um Schülerinnen handelte, fiel die Wahl unseres Stückes fast von selbst auf die Kriminalkomödie mit Musik „8 Frauen und ein Mord“. Das spannende und höchst vergnügliche Stück um die weiblichen Mitglieder einer Unternehmerfamilie, die in ihrer abgelegenen Villa auf dem Land den einzigen Mann weit und breit mit einem Messer im Rücken auffinden und sich gegenseitig des Mordes bezichtigen, setzt einiges an Schauspielkunst voraus.
Die gemeinsamen Proben und das Theaterwochenende in der Wormser Jugendherberge schweißte die jungen Damen noch mehr zusammen. Vor allem die ausgefallenen Charaktere des Stückes, die ihnen wie auf den Leib geschrieben schienen, wurden immer intensiver ausgefeilt. Ob die verhärmte, gehässige Schwägerin und alte Jungfer, die quirlige Tochter und die erwachsen scheinende Schwester, ob das fröhliche Kindermädchen, die vermeintlich stille Zofe, die liebe, dem Alkohol zugeneigte Oma, die hintergründige Ehefrau oder die Schwägerin mit beziehungsreichem Lebenswandel, die Darstellerinnen schlüpften mühelos in ihre Rollen und überzeugten von Anfang an das Publikum mit gekonntem Spiel.
„Femmes fatales“, auch ein noch so idyllisches Bühnenbild mit geschmücktem Weihnachtsbaum und Kunstschnee oder der ausgerollte rote Teppich, über den die Zuschauer zu Beginn hinwegschreiten, konnte nicht über die tiefen Abgründe hinwegtäuschen, auf die die Akteurinnen in ihrer Schulaula während des Stückes immer rasanter zusteuerten. Mit meisterhaften Zwischenspielen in spannungsgeladenen Szenen durch musikalischen Einsatz von Thomas Bachmann untermalt. Doch auch der Part des einzigen männlichen Vertreters auf der Bühne soll nicht verschwiegen werden. Die Damen kamen nicht umhin, sich mit einem Detektiv auseinander zu setzten, der mit männlichem Imponiergehabe meinte, alles zu durchschauen. Weit gefehlt!

