Auf dem Hansenberg sprießt politisches Grün
15.03.2010 - GEISENHEIM
GRÜNDUNG Grüne Jugend formiert sich in der Internatsschule/Junge Union und Jungsozialisten bereits vertreten
(tst). Am Willen, Verantwortung zu übernehmen, fehlte es jedenfalls nicht. Als sich ein Verband der Grünen Jugend in der Internatsschule Schloss Hansenberg formierte, hat kein Mangel an Vorstands-Kandidaten geherrscht. Letztlich wählten die zehn Gründungsmitglieder eine weibliche Doppelspitze: Luisa Schonhart und Aysenur Bilgin setzten sich bei vier Bewerbern durch. Für den Posten des Kassierers ließen sich drei junge Männer aufstellen, von denen Leonard Brauch die meisten Stimmen erhielt. Die Vorsitzende Schonhart bringt bereits politische Erfahrung mit, denn bei der Grünen Jugend des Rheingau-Taunus-Kreises bildet sie mit dem Taunussteiner Fabian Schulz-Luckenbach das Führungs-Duo.
"Grün orientierte junge Leute sollen die Chance haben, sich hier politisch zu engagieren", erklärte die 16-Jährige nach ihrer Wahl. Thematisch ansetzen will Schonhart etwa bei der Energiepolitik, denn "die liegt uns sehr am Herzen" und in der Internatsschule sieht sie etliche Ansatzmöglichkeiten. Außerdem gelte dem öffentlichen Nahverkehr das Augenmerk, denn die Anbindung des Hansenbergs sei "ziemlich schlecht". Am Gründungsakt nahm Mathias Wagner teil, der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Landtag.
Er wünschte "viel Spaß im Wettbewerb mit den beiden anderen Jugendorganisationen" und forderte: "Heizt denen kräftig ein". Die Junge Union und die Jusos sind nämlich bereits mit Nachwuchsverbänden auf dem Hansenberg aktiv. Laut Schonhart sind alle drei Gruppen ungefähr gleich groß. Kürzlich saßen ihre Vertreter bei einer schulinternen Veranstaltung über Steuerpolitik gemeinsam auf dem Podium. Den Umgang beschreibt Schonhart als offen, das Interesse am Austausch sei hoch. "Ich kenne keine Schule, in der so intensiv diskutiert wird und politische Meinungen vertreten werden. Dieses Engagement macht für mich auch ein bisschen den Hansenberg aus", sagt sie.
Die Gründungsversammlung besuchten auch Mitglieder des Geisenheimer Ortsverbandes der Bündnisgrünen, der nach eigenen Aussagen derzeit schwach besetzt ist. Bereicherung durch die Aktiven auf dem Hansenberg wird angestrebt, wenngleich dort die Bürgermeisterwahl in der Stadt keine große Rolle gespielt hat, wie Schonhart sagt. Im Kommunalwahlkampf 2011 wolle sich die Grüne Jugend aber einbringen. Die Kandidatenlisten wird sie aber kaum füllen können, denn die meisten Schüler haben ihren ersten Wohnsitz nicht in Geisenheim angemeldet und sind keine 18 Jahre alt.
Was Wahlerfolge angeht, haben die Junggrünen vom Hansenberg den Altvorderen jedoch einiges voraus: Bei einer "Juniorwahl" in 2009 wurden sie dort mit 28 Prozent stärkste Partei. "Es besteht noch Potenzial", folgert Schonhart.

