Herzlich im Rheingau empfangen
12.03.2010 - GEISENHEIM
Von Christian Schultz
BEZIRKSKANTOR Florian Brachtendorf arbeitet viel mit Kinderchören
Wer den Geisenheimer Dom außerhalb der Gottesdienstzeiten betritt, der kommt häufig in den Genuss von exzellenter Orgelmusik. Vor allem Werke von Johann Sebastian Bach durchströmen immer wieder das Kirchenschiff. Gerade erklingt die Toccata in F-Dur, die Florian Brachtendorf auf der im 19. Jahrhundert erbauten Stumm-Orgel spielt. Der neue Bezirkskantor für den Rheingau ist mit Begeisterung Kirchenmusiker und Organist. Anfang Januar hat er seine neue Stelle in Geisenheim angetreten und fühlt sich sehr wohl in der Pfarrei Heilig Kreuz.
Organistenausbildung
Florian Brachtendorf hat in Mainz und Frankfurt Kirchenmusik studiert und arbeitete zunächst als Kirchenmusikassistent in der Bensheimer Gemeinde St. Georg. Nun ist er mit Ehefrau Maria in den Rheingau übergesiedelt und wohnt in Oestrich. Der 28-Jährige hat eine Fülle an Tätigkeitsfeldern. Auf der Ebene des Bistums Limburg ist er in der Fachkommission der Organistenausbildung tätig und erarbeitet die Orgelsätze für das neue Gesangbuch. In der Gemeinde und im Bezirk Rheingau ist er Ansprechpartner für die nebenamtlichen Kirchenmusiker, zeichnet verantwortlich für deren Fortbildung und ist zuständig für die Kantorenausbildung. Auch als Leiter des Kirchenchores ist er tätig und erarbeitet eigene Kirchenkonzerte. Ganz besonders am Herzen liegt ihm die Gesangsausbildung von Kindern in Kinderchören. "Dies ist hier mein Schwerpunkt und unter dieser Prämisse wurde ich auch eingestellt".
Dass die Kirchengemeinde bei ihrer Stellenausschreibung darauf das Hauptaugenmerk legte, freut Brachtendorf. In Bensheim führte er 120 singende Kinder in Chören zusammen. Dass er seit drei Jahren an der Wiesbadener Knabenchorschule mit sechs- bis neunjährigen Sängern arbeitet, hat ihm zusätzlich viel Chorleiterpraxis gegeben. In Geisenheim ist er mit Elan bei der Sache, um die Kinder- und Jugendchorarbeit aufzubauen.
Vor einigen Wochen zog Brachtendorf durch die Grundschulen in Rüdesheim und Geisenheim und hat Werbung für sein Vorhaben gemacht. "Wir haben gesungen, Rhythmusspiele gespielt und den Takt geschlagen," erzählt Florian Brachtendorf und freut sich über die große Resonanz. Zwei Kindergruppen konnte er bereits bilden, als nächstes will er Werbung in den Kitas machen. Kinder kämen heute nicht mehr mit Kirche in Kontakt, es finde eine große Veränderung in den Gemeinden statt. Für den Kantor ist es ein Anliegen, neue Anreize zu finden, Menschen den Weg in die Kirchen zu ebnen. Und dies gelinge sehr gut über die Musik. Vor allem Kinder gingen völlig unbefangen an das Singen heran und seien schnell dafür zu begeistern. Zuerst werde zwar im Pfarrzentrum geprobt, aber der ein oder andere Gang in die Kirche sei schon geplant. Vor allem die wunderbare Orgel biete sich an, Kindern das Musizieren schmackhaft zu machen. "Die ist so groß, da kann man sogar drin rumspazieren".
Konzertreihe
Mit einer geplanten Konzertreihe in loser Folge will Brachtendorf das erwachsene Publikum ansprechen. Er freut sich, dass seine Ideen auch bei Pfarrer Georg Franz gut aufgenommen werden und ein besonderes Lob kann er jetzt schon den Gemeindemitgliedern aussprechen. Bei seinem ersten Konzert nach der offiziellen Einführung als Bezirkskantor habe das Publikum in Geisenheim solch einen herzlichen Applaus gespendet: "So etwas habe ich noch selten erlebt".

