In Sachen Generationengerechtigkeit einig
04.03.2010 - GEISENHEIM
DISKUSSION Vier Vertreter parteipolitischer Nachwuchs-Organisationen debattieren in Geisenheimer St. Ursula-Schule/Landespolitik im Mittelpunkt
(tst). Was für die eine Seite die Integrierte Gesamtschule ist, firmiert für die anderen als nicht erstrebenswerte "Einheitsschule". Die unterschiedlichen Sichtweisen zur Bildungspolitik in Hessen werden rasch deutlich bei der Podiumsdiskussion in der St. Ursula-Schule. Vier Jungpolitiker aus den Nachwuchs-Organisationen der Parteien treffen leger und krawattenfrei aufeinander. Alle sind zwischen 24 und 29 Jahre alt und gehören den Landesvorständen ihrer Verbände an. Da Dietrich Bube (Junge Union), Christoph Degen (Jungsozialisten), Marcella Matthes (Junge Liberale) und Benjamin Weiß (Grüne Jugend) aus der Peripherie des Rhein-Main-Gebietes, aber nicht aus dem Rheingau-Taunus stammen, spielt Kommunales keine Rolle. Es dominiert die Bundes- und Landespolitik.
Lars Hennemann, stellvertretender Chefredakteur des Wiesbadener Kurier, moderiert die Runde. Zu seiner linken haben sich Schwarz-Gelb, zu seiner rechten Rot-Grün jeweils zueinander gesellt, um zunächst die Bildungs- und Schulpolitik zu erörtern. Das Schulsprecher-Team um Marius Stein hat den Abend organisiert. 55 Besucher sitzen in der Aula und haben sich offensichtlich gut vorbereitet.
So kommt aus dem Publikum die Frage auf, wie Bildung denn letztlich zu finanzieren sei. Degen fordert ansonsten hauptsächlich eine "individuelle Förderung" und dass Schüler mit ihren Eltern selbst über ihre Laufbahn entscheiden können. Für Wahlfreiheit zwischen G-8 und G-9 auf dem Weg zum Abitur plädieren alle außer Bube: "Das hat nicht nur Vorteile", warnt der JU-ler. Er erntet zudem den ersten Szenenapplaus , als er erklärt, dass sich kanadische und skandinavische Verhältnisse nicht so einfach auf die Bundesrepublik übertragen ließen. Matthes sagt gerne "wir haben", wenn sie von Maßnahmen der Wiesbadener Regierung spricht. Die jüngst vorgestellte Mittelstufenschule hält sie aber für "noch nicht hundertprozentig ausgegoren". Weiß nennt diese Kombination von Haupt- und Realschule gar "nur ein Produkt ideologischer Schulpolitik". Dann wechselt das Quartett zu den Finanzen.
Moderator Hennemann rechnet vor, dass sich die Pro-Kopf-Verschuldung im Saal auf über eine Million Euro summiert. Das Quartett arbeitet sich mit Stichworten wie Schuldenbremse, Steuersünder-CD und Länderfinanzausgleich voran. Tobinsteuer (Steuer auf Devisengeschäfte) und Kopfpauschale ergänzen die Zuhörer.
Subventionen bilden eine Klammer zum Thema Energiepolitik. Bube führt sie etwa an, weil er "von der Windenergie überhaupt nicht überzeugt ist". Weiß argumentiert hingegen mit Arbeitsplätzen in der Branche der erneuerbaren Energien und auf der Atomkraft lasten die Kosten für die Sanierung des Endlagers Asse. "Generationengerechtigkeit" ist immerhin ein Begriff, der keine Kontroversen erzeugt.

