AMATEURFAHRER Geisenheimer Thomas Schiffler feiert Erfolge mit dem Motorrad in der Serienmeisterschaft
(tst). Nicht nur die Startnummer 345 deutet darauf hin, dass Thomas Schifflers Motorrad rasante Fahrten hinter sich hat. Die Fußrasten wirken wie abgefeilt, weil sie so oft Kontakt mit dem Asphalt hatten und am Tank zeugt eine Schramme vom jüngsten Sturz. Der Geisenheimer ist mit der Maschine in der deutschen Seriensportmeisterschaft unterwegs und das sehr erfolgreich. Gefahren wird in Oschersleben (zweifach), auf dem Hockenheimring, dem Nürburgring, dem Schleizer Dreieck und dem Lausitzring. "Irgendwo zwischen zweiter und dritter Bundesliga" ist laut Schiffler die Rennserie anzusiedeln, die aus sechs Läufen besteht. Der Hockenheimring und der Nürburgring waren zuletzt Stationen des ambitionierten Amateurfahrers.
"Wir beziehen da die selben Boxen wie die Formel 1", erzählt der 30-Jährige.
Breiter bekannt wurde die Motorrad-Meisterschaft, als 2008 Michael Schumacher bei ihr mitmischte. Die vergangene Saison war auch für Schiffler eine besondere, weil er ein Comeback feierte. "Ich habe vier Jahre lang ausgesetzt, nachdem ich nach einem Rennen im Krankenhaus aufgewacht bin", berichtet er.
Drei Hand-Operationen
Der Wiedereinstieg endete mit einem Sturz, der im Winter drei Hand-Operationen erforderlich machte, doch 2009 läuft es nun hervorragend für den 1,80 Meter großen Fahrer. "Mein Ziel war es, unter die Top-Fünf zu kommen, das kann ich jetzt aber nach oben korrigieren", sagt Schiffler nach zweiten und dritten Plätzen. Die Ergebnisse haben ihm Rang zwei in der Gesamtwertung eingebracht mit guten Chancen auf den Titel. Unterwegs ist er mit einer 750er-Suzuki, die rund 135 PS leistet. Eine GPS-Auswertung vom Hockenheimring hat eine Spitzengeschwindigkeit von 274 Stundenkilometern belegt.
Im Seriensport darf niemand die Motorräder tunen, es ist nur erlaubt, Kleinigkeiten zu ändern. Verkleidung und Bremsen nennt Schiffler als Beispiele und weil er aus Sicherheitsgründen auf einwandfreies Material Wert legt, bleibt genug für ihn zu schrauben. Der Rennfahrer kümmert sich um alles rund um seine Maschine selbst, obwohl er kein gelernter Mechaniker ist, sondern als Informatiker in Frankfurt arbeitet. Besuche im Fitness-Studio und Trainingstage auf den großen Rundkursen gehören für Schiffler zur Vorbereitung.
Im ADAC-Team
100 bis 200 Euro kostet ihn ein Tag auf einem der Ringe an Gebühren, erklärt der Rheingauer. Für die gesamte Saison kalkuliert er mit einem Budget von 20 000 Euro inklusive der Kosten für das Motorrad. Da kommt es ihm recht, dass der ADAC ihn kürzlich in ein Team aufgenommen hat und sich Sponsoren gefunden haben. Eine Reihe Pokale, die inzwischen in Geisenheim funkeln, weisen darauf hin, dass der Aufwand Früchte trägt. Schiffler besaß den Motorradführerschein vor dem fürs Auto und war in seiner Sportart als Trainer tätig. Im Wispertal oder anderen öffentlichen Straßen sieht ihn aber keiner auf der Suzuki - im Alltag sei Zweiradfahren zu gefährlich.

