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Geisenheim 

Wie Infrarot im Wingert nutzt

04.07.2009 - GEISENHEIM

Von Thorsten Stötzer

PREIS Rudolf-Hermanns-Stiftung zeichnet Geisenheimer Manfred Stoll aus

Das Infrarotbild aus Portugal macht es sichtbar: Innerhalb des Wingerts herrschen stark unterschiedliche Temperaturen. Beschattetes Laub leuchtet blau, die heiße Erde rötlich. Wie sich solche Aufnahmen nutzen lassen, um Störungen an Weinreben zu erkennen, hat der Geisenheimer Wissenschaftler Manfred Stoll erforscht und dafür einen Preis der Rudolf-Hermanns-Stiftung erhalten.

7500 Euro sind dem Kuratorium seine Arbeiten wert, noch nie hat die Stiftung einen Preisträger mit solch einer hohen Summe prämiert. Außer Stoll, der kommissarisch das Fachgebiet Weinbau an der Fachhochschule (FH) leitet, haben das Forschergespann Simone Castellarin und Gabriele Di Gaspero aus Udine in Italien und Bénédicte Quilot aus Montfavet Cedex in Frankreich jeweils 5000 Euro zugebilligt bekommen.

Stoll hat in Geisenheim und in Würzburg studiert und in Australien promoviert. Zurück in Deutschland hat er sich nun dem Nutzen von Infrarot-Wärmebildern für sein Fach gewidmet und dabei die Rebenblätter in den Fokus genommen. Wenn an ihren Unterseiten Spaltöffnungen nicht richtig arbeiten, ist der Wasserhaushalt gestört und das Laub wird messbar wärmer. Die Blätter fiebern sozusagen. Stoll legte seine Forschungsergebnisse bei der Verleihungsfeier in der Villa Monrepos am Beispiel eines Pilzes dar, der den Falschen Mehltau verursacht. Wasserhaushalt und Oberflächentemperatur sind bereits gestört, wenn ein Blatt optisch noch gesund aussieht. Die Infrarot-Methode liefert demnach Rüstzeug zur Früherkennung. Ebenso soll sie helfen, den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft zu senken.

Wie Matthias Bunge als Kuratoriumsvorsitzender der in Geisenheim ansässigen Stiftung berichtete, lagen ihm und seinen Kollegen sieben Bewerbungen vor. Bei Stoll habe vor allem die "hohe wissenschaftliche Qualität und das Anwendungspotenzial" überzeugt. Der Stiftungs-Vorsitzende Herbert Zender äußerte Freude darüber, dass nach langer Zeit sich wieder ein heimischer Wissenschaftler durchgesetzt hat. Zuletzt war 1996 ein Preis der Rudolf-Hermann-Stiftung in Geisenheim geblieben.

Zender gibt Posten ab

Zender gibt seinen Posten übrigens ab, neuer Vorstandsvorsitzender wird der Rüdesheimer Rechtsanwalt Heinz-Georg Muckermann. Den Festvortrag steuerte Annette Reineke bei, die vor Ort in der FH das Fachgebiet Phytomedizin (Pflanzenkrankheiten) leitet und sich mit Schädlingen befasste, deren Auftreten der Klimawandel begünstigt. Zum einen können bekannte Erreger früher die Weinberge bevölkern als gewohnt. Das gelte etwa für den Traubenwickler. Erhebungen belegten, dass er parallel zu vorgezogenem Rebaustrieb und höheren Wintertemperaturen zeitiger aktiv werde. Zikadenarten zählten zu den Insekten, die sich stärker in bislang für sie unerschlossenen Landschaften ausbreiteten.

Manfred Stoll erhielt für seine wissenschaftlichen Leistungen den Preis der Rudolf-Hermanns-Stifung.RMB/MargielskyVergrößern

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