Damit Wein schön klar wird
16.06.2012 - GEISENHEIM
Von Thorsten Stötzer
FORSCHUNG Gerd Erbslöh Stiftung verleiht drei Preise an junge Wissenschaftler
Trübungen im Wein sind ein Problem und „für den Kunden oft ein Hemmnis“. Markus Kiebel hat sich daher auf dem Campus Geisenheim speziell der Trübungen angenommen, die durch Proteine entstehen, die direkt aus den Trauben stammen. Seine Arbeit hat ihm nicht nur zum Bachelor-Grad verholfen, sondern auch zu einem von drei Preisen, die die Gerd Erbslöh Stiftung jetzt vergeben hat.
Der Namenspatron der Stiftung freute sich besonders über die Forschungsleistung des jungen Moselaners. Schließlich hat das, was sich wissenschaftlich mit Proteinstabilisierung und zugehörigen Tests befasst, viel mit Bentonit zu tun. Den Stoff zur Weinschönung habe vor 60 Jahren sein Vater auf den Markt gebracht, seinerzeit unter dem Namen „Geisenheimer Erde“, erzählte Gerd Erbslöh bei der Verleihungsfeier.
Eine durch Proteinstabilisierung verkürzte Ausbauzeit bedeute zugleich eine verkürzte Kapitalbindung im Weingut, erklärte der Stifter weiterhin. Kiebel legte später dar, welche Versuche er mit Riesling und Grauburgunder unternommen hat und welche Testverfahren zum Einsatz kamen. Mischbentonite seien im Moststadium zu empfehlen, lautete sein Fazit, außerdem gelte: „Keine Schönung ist keine Lösung.“
Sabrina Schach, die aus dem Saarland stammt, gewann ebenfalls mit einer Bachelor-Arbeit den Erbslöh-Preis. „Welche Gärflora ist die beste?“, hieß eine der Kernfragen in ihren Untersuchungen zur Hefepopulation bei spontan vergorenen Spätburgunder-Mosten. Wilde Hefen könnten sich in der Betriebsflora entscheidend etablieren und Einfluss nehmen auf die Spontangärung, stellte sie heraus.
Der Italiener Giacomo Widmann sicherte sich den Preis der Erbslöh-Stiftung mit einer Diplomarbeit über die mikrobiologische Kontamination von Holzfässern. Schwefeloxid und Wasserdampf lösten nicht die Probleme. Daher präsentierte er eine Technik zur Beschichtung, die die Oberflächenstruktur des Holzes verändere, und für die ein spezieller Apparat nötig ist. Silica nannte er den Stoff, der die Schicht bildet. Diese Behandlung habe keine Auswirkungen auf die alkoholische Gärung, teilte Widmann mit. „Das Ergebnis dieser Diplomarbeit ist der erste Schritt für eine neue önologische Technologie, die wesentlich zur Verbesserung der Qualität und Umweltverträglichkeit der Weinproduktion in Holzfässern beitragen kann“, heißt es abschließend.
Kuratorium wählt aus
Die Preisträger ausgewählt hatte ein Kuratorium mit Klaus Schaller, dem früheren Direktor der Forschungsanstalt, an der Spitze. Erbslöh betonte, dass sein Unternehmen nicht in dem Gremium vertreten sei und keinen Einfluss nehme. Monika Christmann von der Hochschule RheinMain erläuterte, dass sich die Modalitäten geändert haben: Fortan werden die Preise wechselnd auf den Ebenen Promotion, Master und Bachelor/Diplom ausgeschrieben.


