Bund fördert Forschungsanstalt Geisenheim
08.06.2012 - GEISENHEIM
Von Bernd Minges
In einer Phase, in der die Forschungsanstalt Geisenheim auf dem Weg zur ersten deutschen „Hochschule neuen Typs“ ist, kommt eine Anerkennung in Form eines Bewilligungsbescheids vom Bundeslandwirtschaftsministerium gerade recht. Der parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser (CDU) überreichte am Mittwoch Fördermittel in Höhe von insgesamt 900 000 Euro.
Mit dem Geld aus dem Innovationsprogramm des Ministeriums soll ein „Plantagenroboter“ für den Wein- und Obstbau entwickelt werden. Die Forschungsanstalt ist Partner in einem Kooperationsprojekt, zu dem neben auf Maschinenbau und Elektroantriebe spezialisierte Firmen auch das größte Obstgut Deutschlands, die Obstland Dürrweitzschen AG, gehört. Ihr Stück vom Förderkuchen beträgt 205 000 Euro.
Fachpersonal fehlt
Forschung in der Agrartechnik sei in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgefahren worden, sagte der Direktor der Forschungsanstalt, Hans R. Schultz. In Geisenheim sei sie aber entgegen dem allgemeinen Trend beibehalten worden. Warum immer noch Bedarf an weiterer Automatisierung und Technisierung bestehe, machte Hans-Peter Schwarz, Leiter des Geisenheimer Fachgebiets Technik deutlich.
Der Fachkräftemangel sei schon längst in der Landwirtschaft angekommen. Für bestimmte Arbeiten wie im Steilhang sei kaum noch Personal zu finden. Das großflächige Spritzen von Pflanzenschutzmitteln per Hubschrauber ist verboten. Im Rheingau ist es derzeit nur noch in den Steilhängen per Ausnahmegenehmigung möglich.
Die in Geisenheim für Steillagen entwickelte Arbeitsplattform „Geisi“, die sich ferngesteuert und führerlos in Steilhängen fortbewegen kann, soll eine Variante des künftigen, elektrisch angetriebenen Roboters sein, der beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln, aber auch für andere Arbeiten eingesetzt werden soll. Damit werde in Wein- und Obstanlagen auf Verbrennungsmotoren und Schadstoffausstoß verzichtet und es sei eine ganz gezielte und dosierte Behandlung möglich. Ziel sei eine neu zu entwickelnde Prozesssteuerung.
Die Effizienz für klein- und mittelständische Wein- und Obstbaubetriebe werde verbessert, der Energiebedarf reduziert und Pflanzenschutzmittel könnten eingespart werden, sagte der Staatssekretär.
Dies diene dem Ziel der Nachhaltigkeit. Der zunehmende internationale Wettbewerb im Wein- und Obstbau übe großen Druck auf die deutschen Erzeuger aus. Deshalb müssten die Verfahrensabläufe und die gesamtbetriebliche Effizienz verbessert werden, erklärte Bleser. Dies sei durch den Parallelbetrieb mehrerer Einheiten möglich. Zudem gewährleiste das Projekt die von Handel und Gesetz geforderte Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelproduktion.
In der Weinwirtschaft sei Geisenheim weltweit „die Exzellenzadresse schlechthin“, meinte der Staatssekretär. Der Bund wolle mit seinem Innovationsprogramm ganz gezielt „zukunftsfähiges Wirtschaften“ fördern.


