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Geisenheim 

In Geisenheim bundesweit erste „Hochschule neuen Typs“

11.01.2012 - GEISENHEIM

Von Bernd Minges

HOCHSCHULE Präsident Reymann ist weiter skeptisch, sagt aber Unterstützung zu

Die neue eigenständige Hochschule, die in einem Jahr in Geisenheim an den Start gehen soll, könnte bundesweit die erste „Hochschule neuen Typs“ werden, wie sie der Wissenschaftsrat 2010 in seinen Empfehlungen propagiert hat. Das wurde beim Neujahrsempfang deutlich, zu dem der Geisenheimer Alumni-Verband eingeladen hatte, einer 2500 Mitglieder starken Vereinigung ehemaliger Absolventen. Vorsitzender Robert Lönarz sieht in der Entscheidung der hessischen Regierungskoalition, Forschung und Lehre unter einem Dach zu vereinen, ein klares Bekenntnis zu Geisenheim.

Vor einem Jahr hatte Detlev Reymann, Präsident der Hochschule RheinMain, die in Geisenheim noch für die Lehre verantwortlich ist, an gleicher Stelle einen überraschenden Vorschlag gemacht: Geisenheim sollte ein universitärer Fachbereich der Hochschule RheinMain werden. Das Land Hessen, das nach der Kündigung des Staatsvertrags durch Rheinland-Pfalz eine Neuorganisation prüfte, entschied sich anders. Dennoch versprach Reymann, obwohl er die angestrebte Lösung nach wie vor kritisiert, dass er die „Riesenaufgabe“ der Umstrukturierung konstruktiv begleiten werde. In Wiesbaden gebe es aber durchaus auch Stimmen, die eine Unterstützung für den Aufbau einer neuen Hochschule in Frage stellten, wenn die eigene gleichzeitig einen Standort verliere.

Die neue Einrichtung werde als erste Hochschule in Deutschland weder Universität noch Fachhochschule sein, sagte der Dekan der Geisenheimer Fachbereiche Otmar Löhnertz. Die „Brot- und Butter-Studiengänge“ mit Bachelor-Abschlüssen insbesondere im Wein- und Gartenbau sollen weiterhin die solide Basis bilden. Im neuen Konzept werde festgelegt, „was man auf die Masterstudiengänge draufsetzt“.

Ambitionierter Zeitplan

Als „der letzte Direktor der Forschungsanstalt“ wird Hans Reiner Schultz die Neuorganisation mitgestalten. Er berichtete, dass bereits ein erstes Gespräch mit dem Wissenschaftsrat stattgefunden habe. Der Direktor weiß, dass der Zeitplan für den Aufbau der neuen Einheit sehr ambitioniert ist. Er sieht es als große Chance, dass Geisenheim nun selbst Vorschläge für die Hochschule neuen Typs erarbeiten kann. Das Forschungskonzept des Direktors hat bereits die Landesregierung überzeugt.

Geisenheim mit seinen mehr als 1000 Studenten sei immer ein wichtiger Bestandteil der Hochschule RheinMain gewesen. Die neue Lösung sei ein großer Verlust, „auch imagemäßig“, sagte Präsident Reymann. Er listete viele Punkte auf, die beim Aufbau der eigenständigen Lehre und Verwaltung der Studierenden zu bewältigen seien, angefangen von der Umstrukturierung der 13 Fachgebiete über eine Übertragung der akkreditierten Studiengänge auf die neue Hochschule bis zum RMV-Ticket für die Studierenden. Ein Knackpunkt werde für Geisenheim die Finanzierung sein.

Die Hochschule RheinMain erhalte in diesem Jahr eine Million Euro weniger vom Land, obwohl sie mit einem Plus von 15 Prozent bei den Studierenden aufwarte. Aber weil es Hochschulen mit noch größeren Steigerungsraten gebe, müsse Wiesbaden zurückstecken. Die Ausführungen Reymanns, so hatte es den Anschein beim Neujahrsempfang, fanden nicht sehr viel Aufmerksamkeit. In Geisenheim überwiegt die Aufbruchstimmung.

Für die Sicherung des Standorts sei die selbstständige Hochschule die beste Lösung, waren sich Landtagsabgeordnete Peter Seyffardt (CDU) und der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (CDU) einig. Landrat Burkhard Albers (SPD) erinnerte an die Kooperation mit der Berufsschule in Geisenheim. Allein schon deshalb sei nicht an eine Aufgabe des Berufsschulstandorts und eine Verlagerung nach Wiesbaden zu denken. Bürgermeister Frank Kilian hörte das Bekenntnis mit Freude.

EMPFEHLUNG
Der Wissenschaftsrat, der Bundes- und Landesregierungen berät, setzt sich in seinen Empfehlungen aus dem Jahr 2010 für eine „Erweiterung der Entwicklungsmöglichkeiten von Fachhochschulen“ und für die „Neuentwicklung von Hochschultypen“ jenseits der strikten Trennung von Universitäten und Fachhochschulen ein.
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