Andrang bei Präsentation der Geisenheimer Weinreimer
15.11.2011 - GEISENHEIM
Von Kerstin Prosch
„Haben Sie ihren Liebling schon gefunden?“ Karl-Heinz Brunk aus Geisenheim beantwortet die Frage prompt: „Klar meine Frau. Ich bin mir ihr hergekommen!“ Seinen Liebling unter den Weinen, die bei der 8. Weinpräsentation der Weinbruderschaft Wein-Reimer ausgeschenkt werden, hat er freilich ebenfalls schon entdeckt: ein 2009er Spätburgunder vom Weingut Freimuth.
Brunk ist bereits zum zweiten Mal bei der Präsentation im Kulturtreff „Die Scheune“. Im vergangenen Jahr habe es ihm so gut gefallen, dass er die Veranstaltung unbedingt ein weiteres Mal besuchen wollte. „Diesmal ohne Auto.“ So kann er mit Muße an den Ständen von zwölf Weingütern und einer Sektkellerei probieren. Die haben alle Hände voll zu tun. Weit über 100 Weinfreunde sind zur Präsentation der Wein-Reimer gekommen.
Gäste von der „ebsch Seit“
Selbst von der „ebsch Seit“ sind Gäste da: Die Weinbruderschaft Weinsenat aus Bingen ist mit einer Delegation vertreten. Mitglied Claudia Wache genießt es, auf kleinem Raum die Vielfalt der Geisenheimer Weine kennenzulernen. „Da kann man mal richtig intensiv verkosten“, lobt sie.
Bleibt nur noch eine wichtige Frage an die Frau aus Bingen: Welche Weine schmecken besser, die diesseits oder jenseits des Rheins? Wache lacht. Kurz sieht es so aus, als will sie sich ganz um eine Antwort drücken. Dann reagiert sie mit einer Gegenfrage. Mit den Weinen sei es letztlich genauso wie mit den Männern. „Was ist besser, ein dunkelhaariger oder ein blonder Mann?“
Wer den kleinen Dialog verfolgt hat, muss zwangsläufig lachen. Das gilt auch für Herbert Heise, Oberreimer bei der Geisenheimer Weinbruderschaft. Seiner Auskunft nach wollen die Weinreimer mit der Weinpräsentation den Geisenheimer Weingütern eine Plattform bieten, ihre Produkte vorzustellen. Zugleich können die Winzer dabei mit den Weinfreunden über ihre Weine ins Gespräch kommen. „Da kann beispielsweise direkt geklärt werden, warum ein Wein so und nicht anders ausgebaut wurde.“
Bereits seit 2006 gibt es bei jeder Weinpräsentation eine Blindprobe, die unter ein bestimmtes Thema gestellt ist. Diesmal geht es um Riesling-Schoppenweine. Jeder Gast, der Kenner ebenso wie der Neuling unter den Weintrinker, ist eingeladen, mitzumachen. Die Flaschen haben keine Etiketten, sondern nur Nummern. Deshalb spricht man von Blindprobe. Ist der persönliche Favorit ermittelt, ist dessen Nummer in eine Box zu werfen. „Etwa 90 Prozent aller Besucher machen immer bei der Blindverkostung mit“, freut sich Heise über die gute Resonanz auf die Aktion. Natürlich wird der Sieger-Winzer gewürdigt. In den vergangenen Jahren hat schon zwei Mal das Weingut Dillmann den ersten Platz belegt.
Positiv sieht der Oberreimer, dass bei der Präsentation neben vielen Weingütern auch die Sektkellerei Bardong mitmacht. Norbert Bardong informiert seine Gäste unter anderen rund um das Thema Sektkorken. Dieser sei eigentlich zylinderförmig und bekomme erst beim Verschließen seine typische Pilzform. Wer nach dem Öffnen der Flasche keine Probleme habe, diese wieder mit dem Korken zu verschließen, habe einen alten Sekt in der Hand. „Bei frisch abgefüllten Sekten passt der Korken nicht mehr drauf.“ Im Unterschied zum Wein seien Sekte generell nicht zum langen Lagern bestimmt, da sie ihre Kohlensäure verlieren.

