Im Ministerium gibt’s jetzt Riesling
04.11.2011 - GEISENHEIM
Von Ingeborg Toth
GESPRÄCH Ex-Bundesminister Franz Josef Jung erzählt in der Forschungsanstalt aus seinem bewegten Leben
Er versteht viel von Politik, Wein und Fußball: Franz Josef Jung, ehemaliger Bundesverteidigungsminister und Bundesarbeitsminister ist ein echter Rheingauer: „Ich bin im Weinberg groß geworden.“ Als ältester Sohn musste er im kleinen Familienbetrieb („drei Hektar“) mit anpacken. „Den 1959er habe ich abgefüllt.“ Da war er zehn. „Im Weinberg kann ich heute noch alles.“ Fußball hat er auch schon mit Joschka Fischer gespielt: „Ich habe von seinen Vorlagen gelebt.“ Jung schafft es locker, noch in den Abendstunden einen Hörsaal der Forschungsanstalt Geisenheim zu füllen. Die verdankt ihm, so Direktor Hans Reiner Schultz, „einen richtig großen Batzen Geld“.
Für RÜD gekämpft
Als Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung der Forschungsanstalt Geisenheim hat man ihn aber nicht eingeladen, sondern um ihn zu seinem Leben zu befragen. Schwindelerregend wird es, wenn er aufzählt, was er alles gemacht hat. Bewundernswert, dass er alle Fakten und Daten parat hat. Er sagt, es war gut, Politik im Nahbereich eingeübt zu haben: Katholische Jugendarbeit im Rheingau gehörte zu seinen ersten Fingerübungen. Danach hat er den ersten freien Jugendclub in Erbach gemanagt („So etwas gab es vor 1966 nirgends“) und gehörte ab 1973 dem Bundesvorstand der Jungen Union an - da saß er schon im Kreistag: „Wir haben um das RÜD-Kennzeichen gekämpft.“ Als Einziges in Deutschland hebt es nicht auf den Kreis und die Kreisstadt ab, sondern weist auf den Namen eines überregional bekannten „Weindorfs“ hin.
In seiner langen Politikerkarriere kam er viel rum: „Ich war an fast allen Plätzen dieser Welt.“ Wenn es um Wein ging und die Rede auf Geisenheim kam, habe er nur Bewunderung erlebt. Die Forschungsanstalt werde überall hochgeschätzt. „Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass Rheinland-Pfalz nicht mit ins Boot gestiegen ist. Wenn ich so eine Institution habe wie Geisenheim, versuche ich doch nicht etwas Eigenes zu gründen, das nie und nimmer den gleichen Ruf erlangen kann.“ Er werde die Forschungsanstalt auch in Zukunft unterstützen. „Wenn sich die Weinqualität in Deutschland heute erheblich verbessert hat, dann hat das auch mit Geisenheim zu tun.“
Die jungen „Geisenheimer“ würden überall das Qualitätsniveau heben. So wie sein Neffe Alex Jung vom Weingut Jakob Jung in Erbach beim „Best of Riesling“ gleich in zwei Kategorien erfolgreich war - und das in Rom. „Man kann heute mit Stolz auf den deutschen Wein blicken“, sagt der Onkel, der in Berlin nach wie vor der Kanzlerin nah ist. „Die hat“ - so viel verriet er - „ihre Schwierigkeiten mit der Säure des Rieslings.“ Neffe Alex könnte Angela Merkel helfen. Hat er doch als Alternative einen Weißburgunder trocken zu bieten, Jahrgang 2010, der in einem Holzfass gereift ist und sich schon jetzt „weich, cremig und sehr körperreich“ präsentiert. Die fachlich vorgebildeten Zuhörer durften ihn kosten. Bei dem Spätburgunder, den Alex Jung zuletzt zum Probieren einschenken ließ, lobte einer der Professoren knapp, aber ehrlich: „Kompliment.“
Dank Franz Josef Jung gibt es jetzt im Berliner Verteidigungsministerium „immer einen ordentlichen Wein“. Es seien stets Rieslinge dabei, aus dem Rheingau: „Wir müssen uns gegenüber den Wettbewerbern in Europa und den anderen Weinbau-Regionen der Welt nicht verstecken.“

