Alte Sorten sorgen für mehr Vielfalt
23.07.2011 - GEISENHEIM
Von Heinz Porten
REBVEREDLER-TAGUNG Experten treffen sich in Geisenheim / Staatssekretär Jung: Information über Neuorganisation in sechs Wochen
Rund 120 Experten aus dem In- und Ausland tauschen sich seit Donnerstag auf der 21. Internationalen Geisenheimer Rebveredlertagung über die Trends und Entwicklungen in der Rebveredelung aus. Dabei geht es um die Marktsituation in Europa und der Welt, die Handhabung spezieller Krankheiten und neue Ansätze und Trends in der Rebenzüchtung.
Professor Ernst Rühl begrüßte als Gastgeber und Leiter des Fachgebiets Rebenzüchtung und Rebenveredlung der Forschungsanstalt Wissenschaftsstaatssekretär Ingmar Jung als Gastredner. Jung sprach die Organisation von Forschungsanstalt und Hochschule RheinMain an, die nach der Kündigung des Staatsvertrags durch Rheinland-Pfalz eine neue Struktur erhalten soll.
„Wir wissen um die Bedeutung von Forschungsanstalt und Hochschule. Wir werden Geisenheim weiter unterstützen und die Gelegenheit nutzen, Forschung und Lehre wieder unter einen Hut zu bringen“, stellte er heraus, dass das Land sich für die Zukunft Geisenheims einsetzt. Die Suche nach einer neuen Konstellation sei derzeit in der Endphase. In voraussichtlich sechs bis acht Wochen werde man soweit sein, die Öffentlichkeit einzubeziehen, so Jung.
Auf der Tagung selbst spielte dieses Thema keine Rolle. „Das große Thema in der Rebveredlung ist die Lockerbeerigkeit“, erläuterte Bettina Lindner von der Forschungsanstalt. Die Reben werden dabei so gezüchtet, dass die Trauben nicht zu dicht aufeinander gedrängt sind. So könnten sich Pilze schlechter ausbreiten, die Winzer können weniger Spritzmittel einsetzen. Daneben stehen die Bemühungen um eine Verbesserung des Aromas und der Säurestruktur im Blickpunkt. „Der Trend geht zu weniger Säure, aber das ist natürlich auch vom Wetter abhängig“, erklärte Lindner, dass die Rebveredler hier aber nur begrenzt Einfluss haben. Während im letzten Jahr der Wein einen sehr hohen Säuregrad hatte, sehe es in diesem Jahr deutlich besser aus.
Neue Sorten seien momentan kaum gefragt, vielmehr stehen in den Anbaugebieten die klassischen Trauben im Blickpunkt, in Deutschland etwa der Riesling, der weltweit hohes Ansehen genieße, so Lindner. Generell sei Weißwein derzeit mehr gefragt als Rotwein. Ziel sei vielmehr, bei diesen Sorten die Krankheitsanfälligkeit zu verringern. Zudem setze man heute mehr auf Qualität als auf reine Ertragsleistung. Ein Trend liegt weltweit darin, die für die Anbaugebiete typischen alten und nur dort angebauten Rebsorten zu bewahren. So berichtete etwa Levan Ujimajuridze über die auch von der Forschungsanstalt Geisenheim unterstützen Bemühungen, in Georgien solche autochthonen Rebsorten zu suchen und zu bewahren.
Auch in Geisenheim ist man auf diesem Sektor tätig und sucht in alten Weinbergen an der Mosel nach alten Rieslingreben, die in der Forschungsanstalt wieder angepflanzt werden, um die Vielfalt zu erhalten. „Die Wünsche der Kunden ändern sich manchmal schnell. Wenn man auf einen großen Bestand von Reben mit unterschiedlichen Eigenschaften zurückgreifen kann, sind sie viel schneller zu erfüllen, als mit Neuzüchtungen, die in der Regel etwa 10 Jahre bis zur Marktreife benötigt“, erklärte Lindner auch die wirtschaftliche Bedeutung dieser Praxis.


