Von Inge Heinz
WALLUFER STRASSE Eltviller Varianten könnten Baubeginn im Oktober gefährden / Experten: keine Verbesserung
Seit 2006 plant der Rheingau-Taunus-Kreis, einen kombinierten Rad-Gehweg an der Südseite der Wallufer Straße als Pendant zum bestehenden Rad-Gehweg im Norden zu bauen. Der zwei Meter breite Weg im Süden soll durch einen ein Meter breiten Grünstreifen von der Straße getrennt werden. Die neun Meter breite Straße werde dadurch auf sechs Meter verschmälert, erläutert der zuständige Mitarbeiter des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen, Rüdiger Wensor. Er beziffert die Baukosten auf 250 000 Euro. Der Bau dauere etwa zwei Monate.
Biete man einen Radweg in beide Fahrtrichtungen an, heißt es in der Stellungnahme aus dem Kreishaus, sei das angesichts einer Verkehrsbelastung von über 9 000 Fahrzeugen pro Tag die sicherste und einfachste Lösung. Richtungsbezogene Radwege würden Radler besser annehmen. Zudem entfalle das Queren in den Ortskernen.
Im Oktober sollte der Bau beginnen. Das scheint nun durch den Antrag der drei Eltviller Kreistagsmitglieder, Matthias Hannes (SPD), Rainer Scholl (FDP) und Norbert Wolter (Grüne) gefährdet zu sein. Wie berichtet, hatten sie zwei weitere Radweg-Varianten im Kreistag Ende Juni ins Spiel gebracht. Wegen der langwierigen Debatte um den Kreisetat beantragte Hannes dann aber, den Antrag bis zur Kreistagssitzung am 21. September zu vertagen.
Mit möglicherweise fatalen Folgen. Laut Wensor wird die Zeit dann knapp und der Bau könnte in diesem Jahr nicht mehr beginnen. Die bereits vorhandenen Fördermittel, die rund 80 Prozent der Baukosten decken, könnten gefährdet sein. Müsse man die Mittel neu beantragen, würde der Antrag zusammen mit Anträgen anderer Kommunen neu bewertet.
Ob die von den Eltvillern vorgeschlagenen Varianten Aussicht auf Erfolg haben, ist ungewiss. Auf Nachfrage hat die Erste Kreisbeigeordnete Jutta Nothacker erneut betont, dass sie an der ursprünglichen Planung festhalte. Nur durch einen attraktiven Radweg an der Wallufer Straße könne man Radler vom Leinpfad zwischen Eltville und Walluf fernhalten. Zudem schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, man schütze das dortige Rheinufer und beseitige die Überbreite der Kreisstraße, was eine Verkehrsberuhigung bringe, die den Verkehr auf die Umgehung verlagern könnte.
Die Stellungnahme der Verkehrsexperten zu den Alternativ-Varianten ist eindeutig: Sie brächten keine Verbesserung. Der von den drei Eltvillern vorgeschlagene Ausbau des nördlichen Rad-Gehwegs auf 3,50 Meter Breite, um eine ungehinderte Begegnung von Radlern und Fußgängern zu ermöglichen, koste 50 000 Euro mehr.
Zudem müsse die Grünfläche versiegelt werden. Nach dieser Variante sollen Radler Richtung Walluf auf dem vorhandenen nördlichen Radweg fahren, für Radler in Richtung Eltville ein Radstreifen auf der Straße markiert werden. Dies sei aus Sicherheitsgründen die schlechteste Variante, so die Experten. Probleme gebe es in Walluf wie Eltville, weil die Radler die Straße dort queren müssten.
Auch die von der FDP ins Spiel gebrachte Variante, auf der Südseite nur einen Gehweg auszuweisen und an der Nordseite einen reinen Radweg in beide Richtungen zu bauen, hält die Kreisverwaltung nicht für durchgängig machbar. Für die Anlieger in den Ortseinfahrtsbereichen sei nämlich ein Gehweg erforderlich. Auch diese Variante bringe keine Verbesserung.
Das Problem der Grundstücksausfahrten auf der Südseite, das die Eltviller gegen den Kreis-Plan ins Feld geführt hatten, hält der Kreis für lösbar. Die Sicht könne freigehalten werden, so dass Fahrräder frühzeitig erkannt würden.


Wenn das kein Geschmäckle hat ......... oder, Frau Nothnagel halten Sie durch!.
Der Radwegeausbau zwischen Eltville und Walluf hat sich längst zu einer Posse entwickelt. Vom Kreis wird eine Variante bevorzugt, die in Sachen Kosten und Verkehrssicherheit vernünftig und nachvollziehbar ist. Gleichermaßen sind Gegenargumente nicht zu vernehmen. Das Verhaltenn des Eltviller Rathausvorderen und jenes der drei Kreistagsabgeordneten läuft auf eine Blockade des Projektes hinaus. Dabei werden weder aus dem Rathaus noch von den drei Kreispolitikern Sachargument gegen den vom Kreis bevorzugten Ausbau vorgetragen. Im Gegenteil: Hat man nicht erfahren können, daß der Grünen-Politiker Wolter in einer der Villen auf der Südseite der Straße wohnt und sich von Radfahren beim Verlassen seines Grundstücks "belästigt" fühlt?
Auch eine Art "Klientelpolitik" freilich, in eigener Sache. Bleibt zu hoffen, das sich der Politiker Wolter nicht eines Tages dafür stark macht, die Straße auch für Autos sperren zu lassen. Denn von diesen müßte er sich um so mehr belästigt fühlen.
A.Wolff