"Hochwertige Wohnungen" in Villa Elvers
13.04.2010 - ELTVILLE
Von Bernd Minges
SANIERUNG Neuer Eigentümer des denkmalgeschützten Anwesens hat auch Pläne für Rheingauhallen-Gelände
Schon im Sommer des kommenden Jahres soll die Villa Elvers komplett saniert und dann bald wieder bewohnt sein. Davon geht der neue Eigentümer Bernhard Dreger aus. Der Bad Nauheimer Unternehmer und Investor hat das ehemalige Gästehaus der Villa Marix, in dem das erste hessische Literaturhotel entstehen sollte, vor zwei Wochen gekauft. Als Bau- und Wirtschaftsingenieur ist er ein Mann vom Fach, der für die "Villa am Park" eine eigene Projektgesellschaft gegründet hat.
Nach der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes aus dem 19. Jahrhundert will Dreger sieben "sehr hochwertige" Wohnungen verkaufen, die zwischen 100 und 180 Quadratmeter groß sein und ab 3400 Euro pro Quadratmeter kosten sollen.
Wie berichtet, ist der Traum eines Literaturhotels auf dem historischen Anwesen geplatzt. Andreas Pfeifer und seine Partnerin Katharina Grau, die das Hotel betreiben wollten, hatten keine Bank für das Konzept und dessen Finanzierung erwärmen können.
Auf "Perlen" spezialisiert
Bernhard Dreger und seine Frau Astrid haben sich auf die Sanierung von denkmalgeschützten Immobilien spezialisiert und verweisen insbesondere auf Referenzobjekte in Bad Nauheim. "Wir suchen die Perlen am Markt", sagt der Bauingenieur. In Eltville seien sie fündig geworden. Dabei sei wichtig, dass von der ursprünglichen Substanz noch viel erhalten und durch Modernisierungen noch nicht viel zerstört worden sei. Bei der Villa Elvers sei dies der Fall. Inklusive Kaufpreis investiere er bis zu drei Millionen Euro in das Objekt, in das er vielleicht auch selbst einziehen werde.
Das Gebäude mit einer Wohnfläche von 1000 Quadratmetern soll in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz und nach Möglichkeit von Handwerkern aus der Region saniert werden. Im Innern werde die Technik komplett erneuert. "Viele Fenster müssen nachgebaut werden", sagt Dreger, der den Stil der Villa als "französisch" umschreibt. Der Farbanstrich der Fassade werde entfernt und neu angelegt.
Rund um das Anwesen mit einer riesigen Eibe, die als Naturdenkmal ausgewiesen ist, soll auf dem 4770 Quadratmeter großen Grundstück ein Park entstehen, der die frühere Gestaltung "im Stil der damaligen Zeit" mit Buchsbaum-Elementen und seltenen Pflanzen wieder aufnimmt. Der neue Eigentümer will außerdem einen kleinen Pavillon rekonstruieren und einen kleinen Skulpturengarten anlegen. Gegenwärtig haben Gärtner schon damit begonnen, die Fläche vor der Terrasse von Gestrüpp zu befreien.
Kontakt zur Stadt
Als direkter Nachbar des brachliegenden früheren Rheingauhallen-Grundstücks hat Dreger bereits Kontakt mit Bürgermeister Patrick Kunkel aufgenommen. Der Planer bietet an, das Areal zu kaufen und vier bis fünf villenartige, kleinere Mehrfamilienhäuser zu bauen, eingebettet in eine parkähnliche Gestaltung. Er sei auch bereit, einen Teil der Kosten des Hallenabrisses zu übernehmen, der aus dem Stadtumbau-Programm nur finanziert wird, sofern ein Hotel entsteht. Für eine Wohnbebauung auf dem früheren Rheingauhallen-Grundstück gibt es aber nach wie vor keine Mehrheit in der Eltviller Stadtverordnetenversammlung.
Die Stadt Eltville hatte die Planungen für ein Literaturhotel, für das die potentiellen Betreiber die Gesellschaft "Entre nous" gründeten, unterstützt und dafür auch den Bebauungsplan geändert. Der bisherige Eigentümer, Hans-Peter Dörfler, hatte dafür gesorgt, dass die Villa komplett leer stand und dafür auch Mieter entschädigt.

